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Sonntag, 1. Januar 2012

Strukturen - sozial, produktiv und meditativ-wiederholend

Weihnachtsferien.
"Nicht zuletzt darum steht vorweg das, was ich außerhalb der umzirkelten Arbeitszeit tue, nicht im strikten Gegensatz zu jener." (Th. W. Adorno, Freizeit, in Kulturkritik und Gesellschaft, S. 647)
Vorlesungsfreie Zeit als eine Nicht-Uni-Zeit (der Wahrheitsgehalt dessen ist anfechtbar, was mir jeder Textilstudent bestätigen wird, aber aber die Zeit definiert sich ja hauptsächlich durch die Abwesenheit des Unimediums Vorlesung bzw. Seminar, nicht von der inhaltlichen / Schreib- Beschäftigung) 
("Allerdings bin ich dessen mir bewusst, dass ich als Bevorzugter spreche, mit dem Maß an Zufälligkeit und Schuld, das darin liegt; als einer, der die seltene Chance hatte, seine Arbeit wesentlich nach den eigenen Intentionen auszusuchen und einzurichten" (Adorno, ebenda.) - man darf die Freiwilligkeit dieser Nicht-Freizeit also nicht vergessen.)
Mit dem Bild oben thematisiere ich also das produktive Schaffen, das nicht im Gegensatz zur nicht-Freizeit, also Arbeit bzw. Uni steht. "Produktive Freizeit wäre möglich erst mündigen Menschen, nicht solchen, die unter der Heteronomie auch für sich selber heteronom geworden sind." (der coole Adorno, S. 652)
Aber ist das denn wirklich so? Wie ist mein Blick hier durch irgendwelche soziale Strukturen verstellt? (Wobei hier sichtbar die Kamera als Filter bzw. Brillenglas eingesetzt ist)
Der lustige Mensch mit Herz, der nicht nur die Strukturen reproduziert (blablabla) - mein erster Strukturenversuch.
Man sieht vielleicht, das sich wiederholende Muster dieser Bilder ist eben das Muster, eine Struktur neben der versuchten wiedererkennbaren Abbildung.
Meine anfängliche Intention war hier, gegen einen typischen Fokus beim zeichnerischen Arbeiten zu arbeiten: sonst beschäftige ich mich gerne lange mit der Herausarbeitung z.B. der Augen, dem "Schönen", wichtigen, der Rest wird nur mit Strichen angedeutet. Struktur von Flächen wird vom Original übernommen.
So wollte ich brechen, indem ich die bedeutungslose Farbfläche füllte, mit (ebenso bedeutungsloser) nicht-Flächigkeit. Die Haupt-Arbeitszeit geht hier auf ein rein ausführendes Striche-Setzen, was den Blick auf die Objektvorlage gar nicht mehr verlangt. So ist es erstellen von
Struktur, ausführende meditative Produktion neben der Reproduktion und Erzeugen von angepasster Ähnlichkeit.

Doch: "Unter den herrschenden Bedingungen wäre es abwegig und töricht, von den Menschen zu erwarten oder zu verlangen, dass sie in ihrer Freizeit etwas Produktives vollbrächten; denn eben Produktivität, die Fähigkeit zum nicht schon Dagewesenen, wird ihnen ausgetrieben. Was sie dann in der Freizeit allenfalls produzieren, ist kaum besser als das ominöse Hobby, die Nachahmung von Gedichten oder Bildern, die unter der schwer widerruflichen Arbeitsteilung, andere besser herstellen können als die Freizeitler. Was sie schaffen, hat etwas Überflüssiges. Diese Überflüssigkeit teilt sich der minderen Qualität des Hervorgebrachten mit, die wieder die Freude daran vergällt." (Adornolein, S. 651)
Muster als ständige Wiederholung. auch erscheinen mir manche "meiner" Produkte (wie dieses Bild eines Weihnachtsbaumes, was schließlich nach den ganzen Tuschespritzereien und Finelinerlinien entstand) wie eine Kopie bestimmter Ikea-Designs oder diversen Kulturindustrie-Dekorationen.

Aber,
ABER:
"Wann immer das Verhalten in der freien Zeit wahrhaft autonom, von freien Menschen für sich selbst bestimmt ist, stellt Langeweile schwerlich sich ein; dort ebensowenig, wo sie ihrem Glücksverlangen ohne Versagung folgen, wie dort, wo ihre Tätigkeit in der freien Zeit selbst vernünftig als ein an sich Sinnvolles ist. Noch Blödeln bracht nicht stumpf zu sein, kann selig als Dispens von den Selbstkontrollen genossen werden." (Typ, S. 650).

Samstag, 12. November 2011

Ein Fernsehabend

   
Untitled from Pia Schlechter on Vimeo.

wirres Blinken.
Ursprung: Ein Abend mit Germany's Next Topmodel und Boulevardkram danach, von Beginn des Jahres. für jede neue Einstellung (also Kameraperspektive etc.) ein abfotografiertes Standbild, jeweils direkt nach dem Schnitt.
"Die Apparatur, die die Leistung des Filmdarstellers vor das Publikum bringt, ist nicht gehalten, diese Leistung als Totalität zu respektieren. Sie nimmt unter Führung des Kameramannes laufend zu dieser Leistung Stellung. Die Folge von Stellungnahmen, die der Cutter aus dem ihm abgelieferten Material komponiert, bildet den fertig montierten Film. Er umfasst eine gewisse Anzahl von Bewegungsmomenten, die als solche der Kamera erkannt werden müssen [...]. So wird die Leistung des Darstellers einer Reihe von optischen Tests unterworfen[...]. Das Publikum fühlt sich in den Darsteller nur ein, indem es sich in den Apparat einfühlt. Es übernimmt also dessen Haltung: es testet." (Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, S. 24)

"In der Tat wird der Assoziationsablauf dessen, der diese Bilder betrachtet, sofort durch ihre Veränderung unterbrochen." (auch Benjamin, S. 39) 

und zu guter letzt noch mein schopenhauer der medienwissenschaften (bzgl. stellenwert im vergleich zur philosophie), Susan Sontag:
"Fotos sind einprägsamer als bewegliche Bilder - weil sie nur einen säuberlichen Abschnitt und nicht das Dahinfliegen der Zeit zeigen. Das Fernsehen ist eine Flut allzu wahllos aneinandergereihter Bilder, deren jedes das vorhergehende aufhebt. Jedes Standfoto ist ein bevorzugter Augenblick, verwandelt in ein dünnes Objekt, das man aufbewahren und immer wieder betrachten kann." (über fotografie, S. 23)
 
Die Männer


Sonntag, 13. Februar 2011

Platons Matrix und Wachowskis Höhlengleichnis

..."Das kenn' ich doch... irgendso ein Film... 90er..."
Ja genau, das ist der Matrix-Stil.
Im Original sind's aber eher kryptische Zeichen - hier ist es deutsche Sprache. Und zwar: Das Höhlengleichnis von Platon (und das ist der Grund, dass ich's hochstelle, ab morgen ist meine "Platon's Gleichnisse"-Blockwoche in Philosophie).
Mann muss von oben nach unten, aber von links nach rechts lesen. Nur einiges ist hervorgehoben. Ist schon etwas älter, aus meinem ersten Semester, wo ich eine Hausarbeit zu Matrix geschrieben habe (danach wurde er mein Lieblingsfilm;)) von wegen Realität - Wirklichkeit - Täuschung - Auferwecken usw. Die "Matrix" ist im Film die vorgetäuschte Wirklichkeit, in  der alle Menschen leben - und dargestellt wird sie in dem grünen Code auf schwarzem Grund (digitaler Code).(Titel: Die Wachowskis sind die Regisseure)
Das Höhlengleichnis sagt ähnliches: Menschen sehen zwangsweise nur Schatten der wahren Dinge, in einer dunklen Höhle sind sie dafür gefesselt, aber wenn sie heraufgeholt werden, glauben sie nicht, dass sie die Wirklichkeit vor sich haben. Und wollen wieder zurück. (Das über der Höhle ist die "Welt der Ideen", sozusagen das Wahre, wo uns dann die Philosophie hinführen soll usw.)
Ist jetzt ein bisschen kompliziert, hängt jedenfalls beides sehr gut zusammen und beides ist ziemlich cool von wegen Realität (mein Lieblingsthema!) - Aber jetzt ging's mir eigentlich nur um einen Photoshop-Effekt;)

Montag, 27. September 2010

Atheismus verleiht deinem Leben Sinn;)


Ich schreibe gerade mein letztes schriftliches Essay für diese Ferien, und bei der Recherche - es geht um Jean-Paul Sartre - habe ich ein nettes Zitat von ihm gefunden. Ich bin ein großer Fan von ihm, aber ich lasse das Folgende mal wertungsmäßig unkommentiert:

"...Es tut mir sehr leid, dass dem so ist; aber da ich Gottvater ausgeschaltet habe, muss es wohl jemanden geben, der die Werte erfindet. Man muss die Dinge nehmen, wie sie sind. Und übrigens zu sagen, dass wir die Welt erfinden, bedeutet nichts anderes als dies: das Leben hat a priori keinen Sinn. Ehe Sie leben, ist das Leben nichts, es liegt bei Ihnen, ihm einen Sinn zu verleihen, und der Wert ist nichts anderes als der Sinn, den Sie wählen.[...] Selbst wenn es einen Gott gäbe, würde das nichts ändern."
(J.P. Sartre, Ist der Existentialismus ein Humanismus? (1945) S. 63f.)

Sartre. Hat wirklich einen verrutschten Augapfel.
...Es geht also darum: Ähnlich Nietzsche: "Gott ist tot" und in eigenen Worten: Gott ist überflüssig.
Gott ist nach Sartre der "Handwerker" der sich ein Konzept "Mensch" denkt und dann danach baut - Sartre sagt aber so eine Art von Determinismus gibt es nicht, wir entwerfen uns selbst und können uns nicht solche Entschuldigungen ausdenken. Sein Schlüsselsatz ist "wir sind verurteilt zur Freiheit" - heißt nicht, dass wir nicht in bestimmte Umstände geboren sind oder dass wir willkürlich alles tun könnten - wir sind für alles verantwortlich, was wir tun - oder auch nicht.   Na ja. Also, dass er UNS als Wertesetzer sieht ist nicht atheistisch-böse gemeint (atheistisch schon) sondern optimistisch: Wir HABEN die Chance. Aber man kann eben nicht an sich sagen, was gut ist, oder ob ein Ding einen Wert hat. Jedenfalls sollte man sich nicht nach irgendwelchen Richtlinien richten und sein Leben so leben, wie man es am besten findet, das ist eigentlich gemeint. (!!!!!!!!)

Donnerstag, 23. September 2010

oh, ich hab dich zum fressen gern


„Ja, liebe Lotte, ich will alles besorgen und bestellen; geben Sie mir nur mehr Aufträge, nur recht oft. Um eins bitte ich Sie:
Keinen Sand mehr auf die Zettelchen, die Sie mir schreiben. Heute führte ich es schnell nach der Lippe, und die Zähne knisterten mir.“
… Der gute verliebte Werther von Goethe (aus: die Leiden des jungen Werther. Johann Wolfgang von Goethe, 1774. Hier: S. 56) antwortet auf einen Brief der angebeteten Charlotte.
Wer erinnert sich nicht an das aufregende Zettelchen-Schreiben in der Schule? Oder das man einen Gegenstand, der einen an den Geliebten erinnert, den er berührt hat oder der ihm gehört, geküsst hat?
Es soll ja Poster gegeben haben, die an Stellen rund um das Gesicht ein kleines bisschen... zerfleddert waren. Hoffentlich hat man damals nicht die Druckerschwärze an den Lippen entdeckt. 
Wir lernen: nicht nur verschmierter Lippenstift weißt darauf hin, dass man jemanden gerade bei etwas gestört hat. Zum Glück wissen wir, dass bei Werther die Entschuldigung auch nicht Sandkuchen sein könnte. 
Und wir lernen, dass auch Goethe einfach mal ehrlich witzig sein kann.