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Freitag, 7. September 2012

KKK (Konstruktion: Kleid, Körper)

Hussein Chalayan, Martin Margiela, Issey Miyake. Drei Designer. Erstelle gerade ein paar Bildern zu ein paar Designern (oder auch ein paar mehr) für's Studium, hier mal ein bisschen, was bei rumkommt. Da ich gerade nicht theoretisieren will nur kurz: Es geht um Konstruktion - und natürlich Dekonstruktion, da wir designenden ja alle studiert haben - von Kleidern. Nähen? na ja okay, das ist auch eine technische Art von Konstruktion. Körper - dreidimensionale Gebilde - kann man aber auch durch anderes konstruieren, wie z.B. durch Falten bei Issey Miyake. Und Chalayan konstruiert einfach mal wie ein Techniker oder Architekt, er benutzt z.B. das gleiche Material wie von Flugzeugen für sein Aeroplane Dress. Neukonstruieren kann man auch durch altes, recycletes, schon konnotiertes und gebrauchtes Material wie Margiela es tut, der macht aus Socken Pullover und noch alleilei andere Späße, so wie ich gerade anscheinend aus Muffinförmchen ein Kleid zusammensteckte, aus Pinseln Armbänder mache oder die anderen Sachen wo ich immer sehe, dass Blicke von Fremden erst einmal drei Sekunden hängen bleiben. Aber: Konstruiert werden nicht nur Kleider von Menschen mit ihren Händen, jedenfalls nicht nur unmittelbar. Das Kleid selbst konstruiert auch: und zwar Körper. Sein es durch die Form, Silhouette, die wie beim altmodischen Korsett sogar einquetscht oder die einfach nur Rundungen betont oder kaschiert oder sei es durch die abstrakte, eckige Form, die irgendein Dreiecksgebilde dem Körper überlegt. Und den Menschen als Träger verortet es. Und jetzt kommt es, der Satz der kommen musste: Die Konstruktion von Geschlecht. und natürlich einigem anderen, dass uns auferlegt wird. Ob darunter eine "tabula rasa" (in etwa leere Tafel, wie ein leeres, unbeschriebenes Blatt) liegt - och, keine Ahnung. Ich kann es nähmlich gar nicht runterkonstruieren, es geht ja unter die Haut.

Montag, 21. Mai 2012

Das Werden in der Welt



Von wegen nachträgliches Überstülpen einer Bedeutung: nachträglicher Text (Essay eher) zu Stopmotionvideo, alles ein wenig älter. Für das Video improvisierte ich, indem ich immer mehr in der Nähe befindliches addierte - um die Strickpuppe, nach kreativen Einfluss von K., einzuweihen. Nachträglich: Akkordeonmusik appliziert. Übrigens eigene - das erste Mal öffentlich:) Ausgehend von häufigem Spielen mit C-Dur und e-Moll mit M., leider bei der Aufnahme zum ersten Mal ein Metronom ausprobiert und deswegen spielerisch etwas verzerrt. Ich habe immer hohe Ansprüche an visuelle Wiedergabequalität durch Kameras, aber leider ist diese als Aufnahmemedium für Musik weniger geeignet - anderweitige Verzerrungen:)

Was ist der Beginn der Welt - eine tabula rasa, eine leere Tafel bzw. ein unbeschriebenes Blatt, auf dem die Welt Stück für Stück aufgezeichnet wird? und wie entsteht sie, durch das Subjekt, dass Begriffe für Blumen, Blätter, Bäume entwickelt oder reproduziert und diese dann auf Gegenwartsstrukturen anwendet - die Welt konstruiert?
Da die tabula rasa eigentlich ein Konzept der eher empiristischen Philosophie ist - bei der die Seele des Menschen zu Beginn beschreibbar weiß ist und auf das Werden durch Sammeln von Erfahrungen, Sinneseindrücken der Welt wartet - wie wird denn der Mensch in der Welt, abgesehen davon, wie diese entsteht? (nebenbei geht das natürlich gar nicht konform mit vorausgesetzten Kategorien etc. wie bei Kant, für die Fans unter uns:P)
Werden des Seins - was ist Sein? Dem guten Franzosen Sartre - Existenzialist - zufolge sei das Sein „leer von jeder Bestimmung außer der Identität mit sich selbst“ (Sartre, Das Sein und das Nichts, S. 69) und umfasse einerseits die konkrete Existenz, und gleichzeitig alles Vergangene und auch später Mögliche. Das Sein der Dinge bestehe aber nicht darin, ihr Wesen zu zeigen, sondern dieses sozusagen erst zu entwickeln: „Die Existenz geht der Essens voraus“ (Sartre, Ist der Existenzialismus ein Humanismus?, S. 14) und nicht umgekehrt deterministisch, dass die Eigenschaften des Menschen vorhanden sind und diese im Sein nur immer mehr zum Vorschein kommen. Also geht auch die Freiheit des Subjekts allem voraus, da man sich so selbst zu etwas macht und nicht beschrieben ist - "der Mensch ist verurteilt, frei zu sein" (ebd., S. 25) - man MUSS also etwas aus sich machen und man macht etwas aus sich - nachdem man in die Welt geworfen wurde.
Etwas aus einem Menschen zu machen ist auch eine Art Autorschaft. So schreibt dieser Autor den Menschen, die Welt, aber zeichnet jeder sich selbst oder wird man bezeichnet? Auch Sartre sagt, dass der Blick des Anderen (massenhaft in das Sein und das Nichts zu finden) auch konstitutiv ist, da er uns aus dem Seinsfluss herausreißt und man dabei sozusagen für den anderen ist, ähnlich des Spiegelstadiums von Jaques Lacan ein Moment der Reflexion - was bin ich und möchte ich so für den Anderen erscheinen? (aber bei Sartre auch ein Moment des Stopps) ...In der Welt mit Anderen haben diese auch einen Einfluss auf unser Sein.
Man bekommt Feedback zu seinen Handlungen - dieses konstruiert, bestätigt, verneint formt. Aber auch bevor man handelt, also Essens, Wesen, Charakter, Zeichenhaftigkeit, Form ausbildet, bekommt man Input - die gute alte Sozialisation.
und die Medien: Zeitschriften bilden die Begriffe, Fernsehen. Genauso die Umgebung, Menschen, Blumen, Welt. Repräsentationen, Zeichen, Verkörperungen - Stars sind hergestellte, natürlich scheinende Idealisierungen, die den Begriff von "Schönheit" und auch Geschlechtlichkeit bilden, denen es sich anzunähern gilt. Kultur kann als Text gelesen werden, sagt der Roland Barthes und sowieso die Kulturwissenschaftler. Text enthält Begriffe, die wir uns (performativ:) ) überstülpen.
Zurück zum Beginn: Wenn auch vielleicht das reine weiße Blatt der Welt nicht unbedingt gegeben ist, und wir aber mit einer menschlichen Struktur, Vernunft- und so Begriffbegabt in diese hereingeworfen werden, eignen wir uns im Sein Eigenschaften aus dieser Zeichenwelt an. Verwirrend: Haben oder Sein? (ja, ich lese gerade Erich Fromm mit gleichnamingem Titel:) )
Bezeichne, zeichne, konstruiere dich selbst. Übrigens: keine Komsumkritik an Stars, sie sind nur das beste Beispiel für mediale Repräsentationen bzw. Begriffe, natürlich scheinende Ideale, die man sich gerne aneignen und überstülpen möchte. Körperkonstruktion unter nur scheinbarer Autonomie und Körper als scheinbar formbares Material (siehe "Make Up und Make Over" von Elke Gaugele:) ) - und leben in der Kultur, Kultur als Text.

Donnerstag, 26. April 2012

Hoch- und Niedrigkultur

Angeregt von einem schönen Seminar zu Georg Simmel's Ästhetik - wie schön es ist, vom Leben ausgehend, auch die angebliche Niedrigkultur einzubringen! Das ach so akademische Feld der Universität, welches die teilweise selbst ernannte Elite fortbildet, will ganzheitlich ohne den Einbezug der als nur die banale Funktion und nicht die von materieller Notwendigkeit losgelösten Form gestaltend gesehene Alltags- oder sogar Niedrigkultur bilden?
Was sagt mehr über die Gesellschaft aus - eine Analyse von unzugänglichen, teuren Werken von Künstlern wie Gerhard Richter oder in den Massenmedien präsente Popkünstler wie Lady Gaga? Eine Hierarchie der Künste aufzustellen will profilieren und vernachlässigt, wie diese Niedrigkultur gerade durch diese Hierarchisierung (und auch den Kapitalismus etc. :) ) entsteht und notwendig zur höher positionierenden Abgrenzung ist.
Natürlich ist die Aufwertung der Untersuchung der Relevanz - nicht unbedingt der Schönheit -angeblichen Niedrigkultur nur wichtig, wenn man sich theoretisch mit Gesellschaft, Ästhetik, Geschmack auseinandersetzt, nicht aber wirklich für die Frage nach Schönheit, durchdachte Schönheit. Trotzdem: keine Angst vor schreienden Farben und Massenkonsumskultur:) 

Meine Hommage an die Kulturwissenschaft: Ein erstes selbstgemachtes "Schmuck"Stück: bunte Kinderknete, Nagellack, Draht und Ohrringhänger sind die Zutaten. (Aber auch ich muss mich persönlich von ein paar der darin vermittelten Werte abgrenzen: Wie z.B. Fleischkonsum etc., aber darum geht es hierbei jetzt nicht.).

Freitag, 18. November 2011

Papiertheater. Komm mit, Moritz!



"Komm mit, Moritz" - ein Kinderbuch von Dieter Wiesmüller, als Papiertheater.
Ein Semesterprojekt in einem Kunstseminar, zusammen mit A. konzipiert, gebaut, gebastelt, geprobt und aufgeführt. Stand jetzt bis Dienstag in einer Ausstellung (Schwellengänge, KiBuM) in der Artothek, eine dort gezeigte Aufnahme gibt es auch bei YouTube, http://www.youtube.com/watch?v=33vwVFSq3GY - von unserer Dozentin hochgeladen und aufgenommen. Unter dem Stichwort Bühnenschwellen sind da noch die anderen Ergebnisse des Seminars zu sehen.
Der Sound ist eine Collage von ein paar Stücken von dem Soundtrack von Fluch der Karibik, mit ein paar Geräuschen aus dem Internet, ganz einfach auch mit Premiere zusammengeschnitten. Da wir live für die Bühnenbilder Umbaupausen brauchten, ist der Sound darauf zugeschnitten, deshalb gibt es zwischendurch diese schwarzen Bildschirme.

Dienstag, 8. November 2011

Meet-Up mit Kant

Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmenden Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: DER BESTIRNTE HIMMEL ÜBER MIR, UND DAS MORALISCHE GESETZ IN MIR. Beide darf ich nicht als in Dunkelheiten verhüllt oder im Überschwenglichen, außer meinem Gesichtskreise, suchen und bloß vermuten; ich sehe sie vor mir und verknüpfe sie unmittelbar mit dem Bewusstsein meiner Existenz. Das erste fängt von dem Platze an, den ich in der äußern Sinnwelt einnehme, und erweitert die Verknüpfung, darin ich stehe, ins unabsehlich-Große mit Welten über Welten und Systemen von Systemen, überdem noch in grenzenlose Zeiten ihrer periodischen Bewegung, deren Anfang und Fortdauer. (Das zweite fängt von meinem unsichbaren Selbst ...an..., und stellt mich in einer Welt dar, die wahre Unendlichkeit hat, aber nur dem Verstande spürbar ist...
Immanuel Kant, Kritik der praktischen Vernunft, S. 300.
...erste gehversuche in einem neuen text-bild-seminar. Inspiration durch Stopmotionfilme auf der KiBum heute und von dem Film "Midnight in Paris", Woody Allen!, gestern.

Sonntag, 5. Dezember 2010

erklärung

ERKLÄRUNG FÜR DEN VORANGEHENDEN BLOGPOST!
das ist er übrigens, der gute immanuel kant bzw. sein überwiegend zweidimensionales puppenabbild. er sitzt hier auf seinen vier hauptwerken und vor seiner heimatstadt königsberg. er ist natürlich nur eine zusammenimaginierte darstellung aus bekannten portraits, siehe oben.ach ja: er ist philosoph, ganz schön dick einflussreich und so, 18. Jahrhundert. liest man in der uni rauf und runter. Aufklärung, Erkenntnistheorie, Ethik, Ästhetik, alles dabei, und noch einiges mehr. aber ich wollte jetzt eigentlich nur meine figur hier zeigen;)
(soll erklären, wer der auf dem gameboyschlitten durch den schnee rutschende manteltyp des vorigen posts wirklich ist:) )

der rutschende kant

uaaaaaaaaaaahhhhhhhhhh!
da rutscht er. auch hochintellektuelle leute wie immanuel kant (den soll diese puppe darstellen), tun manchmal neben ihrer lehnstuhlphilosophie auch etwas sinnlos-lustiges an der - momentan SEHR - frischen luft. und da wir schon so schön sinnlos sind, ist der schlitten, (das geheimnis ROSEBUD des medienmoguls charles foster kane aus citizen kane, so nebenbei, um etwas sinn herzustellen) auch weiter ganz dadaistisch ein gameboy - man wird doch wohl noch ein wenig spielen dürfen.

aber ich muss noch erwähnen: der gute kant könnte den schnee nicht genießen, hätte er nicht seinen mantel an!! denn mit kälte bleibt man bewegungslos, so wie jedes einzelne bild dieser bilderfolge ja eigentlich auch ist.
(es lebe der dadaismus (anti-floskel), die philosophie, der gameboy und die wärme - kleine nachricht an den C. :) )  ach und sorry, dass es trotz der ganzen erleuchtung ein wenig dunkel geworden ist.

Samstag, 9. Oktober 2010

Löschen wir doch das Burnout einfach. gif.

Ach, wie man immer Sachen vor sich herschiebt... SO ein Haufen zu tun, und der Haufen von zu erledigenden Dingen wird und wird nicht kleiner...
Diese Ferien musste ich nun wirklich EINIGES an Unikrams erledigen. Unter anderem musste ich auch mein Werkbuch für ein Raumgrafik (so gebastelte, abfotografierte Sachen)-Seminar abgeben. Wir sollten ein Plakat zum Thema Bachelorstudium machen... Ich habe mehrere Versionen mit einem "Studentenhampelmann" durchprobiert. Da man meinen Hampelmann sehr vielseitig verwenden kann, (und er so lustig aussieht) habe ich auch einen Stopmotionfilm zum Thema BURNOUT "gedreht, bzw. fotografiert. Ich konnte mein Werkbuch aber nur in gedruckter Form abgeben, deswegen ist die wirkliche "Verfilmung" lange nicht enstanden. Aber jetzt, am Ende der Ferien, bin ich so wenig geburnoutet, dass ich mal Zeit hatte.
Ist übrigens ein animiertes gif. (mit AniMake2. Fotos normal Kamera, Stativ, Pappe. Hatte noch keinen Fernauslöser, deswegen wackelt alles immer.:) ), Video wäre natürlich auch gegangen, aber so ist praktischer. Programm und Technik ist sehr zu empfehlen!!
Hier nochmal die "Pointe": :)

Freitag, 24. September 2010

La-La-Lernen ohne Aufpasser

Ich schreibe manchmal Artikel für meine alte Schülerzeitung. 
Hier ist ein neuerer, mit Gummibärchenstudenten:) Bild weiter unten.


(Lalala)
Hallo!
(Lalala, Ding Dong)
Stellt euch mal was ganz tolles vor. (lalala, dingeldongel, lalala) Ihr seid, was ihr seid, Schüler, aber ihr seid, was ihr einerseits seid und andererseits auch nicht seid: (lalala) frei. (lalala)
Stellt euch vor, es ist viertel vor 10 (lalala!) und ihr müsstet erst in einer Viertelstunde beim Unterricht sein. (LALALA!) Aber was heißt hier ihr „müsst“: ihr müsst gar nichts (ding dong ding dong)! Es wäre gar nicht schlimm, wenn ihr nicht zum Unterricht kommt. Niemand fragt nach einer Entschuldigung, niemand gibt euch einen Strich für nichtgemachte Hausaufgaben (LA! LA!) und niemand droht damit, „mal mit euren Eltern darüber zu reden“. Ihr müsst nicht zum Unterricht, ihr müsst nur kurz vor den Ferien einen großen Test über das Thema bestehen. Ihr könnt euch selber einteilen, wann ihr lernt. Ihr werdet nicht bestraft und müsst euch nicht entschuldigen, wenn ihr jetzt lieber zu Hause bleiben wollt. Niemand wird nachfragen.
(LaLalllllkkkkrrrrrr…) Okay, Musik aus. Kennt ihr „autogenes Training“? Eine Entspannungsübung, wo man auf seine Atmung achtet und dann ganz toll die Wärme spürt und so. Habt ihr vielleicht mal im Sportunterricht gemacht. Oft soll man sich dann bei Meeresrauschen vom CD-Player vorstellen, dass man auf einer Insel liegt und durch die Gegend fliegt oder so. Das habe ich gerade versucht, mit euch zu machen (ich hoffe, ihr lagt auch auf einer Entspannungsmatte und habt die sanfte Harfenmusik (àlalala) gehört). Bloß solltet ihr euch eine traumhafte Situation vorstellen. NICHT ZUM UNTERRICHT GEHEN ZU MÜSSEN, OHNE STRAFE – ist das nicht wirklich ein Traum? Selbst entscheiden können. Frei sein.
Solche Zustände herrschen aber nicht nur in Ländern, in denen rosa Zuckerwatte aus Schornsteinen fliegt und alle Menschen ständig Ringelrein tanzen: So was gibt es in dieser Welt. In Deutschland. In eurer Stadt. Also Oldenburg. Hier!
Und ich bin eine von diesen Glücklichen, „Freien“ geworden. Und ich war auch mal auf der Cäci.
Leider muss ich sagen, die Rede ist nicht von Schülern. Sondern von Studenten. Wie ihr vielleicht wisst, gab es letztes Jahr, 2009, ganz große Studentenproteste, Demonstrationen, Streiks. Denn die Studenten haben sich nicht frei genug gefühlt. Sie streikten aber nicht dagegen, dass sie studieren müssen, denn das tun sie ja „frei-willig“. Sie streikten für bessere Bildung. Und trotzdem ist das Ergebnis des Streiks für das Sommersemester 2010, zumindest in der Uni Oldenburg bei den Fächern, die ich kenne, dass die „Anwesenheitspflicht“ abgeschafft wurde. Früher wurde den Studenten ein Seminar nur angerechnet, wenn sie höchstens zwei Mal gefehlt haben (aber auch da mussten sie sich nicht entschuldigen). Jetzt müssen sie dem Dozenten, also dem Uni-Lehrer, wohl bekannt sein, er muss „das Gesicht mal im Seminar gesehen haben“, sie bekommen die Noten aber auch angerechnet, wenn sie nicht immer anwesend waren. Der Traum eines jeden Schülers? Kann man ohne Zwang besser arbeiten? Außerdem wird im Seminar zwar immer diskutiert und man muss sich mit Texten und so weiter vorbereiten, die Mitarbeit ist für die Endnote aber egal – es gibt keine mündlichen Noten in der Uni.
Stellt man sich sehr gut vor. Wenn man gerade sehr müde ist, weil man auf einem Geburtstag war oder ähnliches, geht man nicht zum Unterricht, sonst geht man aber hin und ist auch ganz toll engagiert, weil man studiert ja freiwillig und für sich selbst.
Jetzt stell ich euch noch ein anderes, wahres Szenario vor, das ich tatsächlich ziemlich genau so erlebt habe.
Psychologieklausur. „Multiple Choice“, das heißt Ankreuzen von richtigen Antworten, 24 Fragen mit je fünf Antwortmöglichkeiten. Ihr habt gelernt, sogar das ganze Wochenende, einen ganzen „Reader“, eine Art Buch mit vielen zusammengestellten Texten zum Thema, habt ihr durchgearbeitet. Es gab auch eine Psychologie-Vorlesung zum Thema, also etwas, was man in der Schule etwa „Frontal-Unterricht“ nennt: der Lehrer steht vor der Klasse (in diesem Fall vor etwa 300 Studenten) und erzählt, erzählt, liest vor, zeigt etwas mit dem Overheadprojektor, erzählt. Über diese Vorlesung schreibt ihr aber nicht den Test. Nur über die Texte.
Nun gibt es ein Problem: normalerweise sind etwa 300 Leute bei der Vorlesung, der Saal hat auch Platz für genau so viele. Jetzt wollt ihr den Test schreiben. Das geht aber nicht, denn jetzt sind plötzlich über 500 Leute hier im Saal, die zeigen wollen, dass sie in Psychologie eine gute Note verdient haben. Es muss also ein anderer Raum her. In einem zweiten Vorlesungssaal bekommt ihr einen Platz und einen Test. Ihr dürft anfangen, der Dozent geht aber in den anderen Saal und verteilt dort die Tests zum ausfüllen. Ihr wollt den Test ausfüllen, es ist aber sehr laut, die anderen unterhalten sich über den Test, über das Wochenende, lachen laut über die Situation. Alle schreiben ab oder rufen laut Fragen in den Raum. Zwischendurch kommt der Dozent wieder in den Raum. Dann ist es still. Man hört nur noch das Schreiben der Stifte. Als der Dozent aber wieder in dem anderen Saal Aufsicht führen muss, wird es wieder laut. Am Ende der Stunde gebt ihr den Test ab.
Nach einer Woche bekommt ihr die Ergebnisse. Es gibt hauptsächlich Einsen und Zweien.
Und das Beste: In Oldenburg muss man den Psychologie-Test im Studium machen, wenn man auf Lehramt studiert. Wenn man Lehrer werden will. Und später benotet, wie gut jemand gelernt hat – und nicht, wie gut abgeschrieben.

Die Abschlussfrage in Jana Sterns Artikel „Kann man ohne Lehrer besser lernen?“ lautet: „Würdest du lernen, wenn es keiner überprüfen würde und ohne Bestrafungen oder Sanktionen von Lehrern?“ Weiter schrieb sie von einer Studie, in der Oberstufenschüler teilweise sogar bessere Erfolge hatten durch selbstorganisiertes Lernen ohne Lehrer, also Aufpasser.
Mir persönlich gefällt es natürlich viel besser, selbst organisieren zu können, wann ich lerne. Aber man muss es auch tun. Und wenn das nicht geschieht, nützt auch die Möglichkeit des Abschreibens nicht – wenn alle um einen herum genauso wenig wissen wie man selbst (es gab sogar Fünfen bei dem Psychologietest!). Es mag ein tolles Erlebnis sein, sich während eines Tests nicht nur über diesen zu unterhalten – und neben den Witzen nachher auch noch gute Noten zu machen. Aber wundert euch nicht, wenn eure Lehrer euch später ständig bestrafen, weil sie nämlich nicht gelernt haben, dass das auch schlechte Folgen für’s Lernen haben kann. Denn auch das war für ein Thema des Tests.