Montag, 12. November 2012

D | LEIPZIG | SCHÖNHEIT

SCHÖNHEIT
suchen
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und zwar auf der Straße. Auf den Straßen Leipzig, um genau zu sein.
Und alles ist flüchtig. 
Kaum hat man einen Menschen angeblickt, ist er oder sie auch schon vorbeigegangen.
Gesichtsausdrücke sind kurz,
Nur selten bleibt jemand in der Stadt stehen, sitzen, 
nur selten hat man die Gelegenheit, jemanden anzublicken, alles bleibt Zufall.
Auf der Suche nach SCHÖNHEIT war ich in Leipzig. Warum dass? Hat das damit zu tun, dass ich bald in der Uni irgendwie eine empirische Forschung zum Thema machen "muss" (die Anführungszeichen, weil ich nun wirklich gerade sowas von freiwillig studiere)? Nein, das ist nachträglich, zufällig, weil es sich doch immer wieder damit auseinander zu setzen gilt.
Nein, es ist eine ganz persönliche Sache: Mir fiel auf, dass ich immer gerne "häßliche" Menschen - um das Antonym mal zu benennen - also in Situationen, wie sie nicht wirklich für die persönlichkeitsidealisierende Abbildung in öffentlichen Medien geeignet sind, wie rauchend rumstehen, für einen massenmedial geprägten Blick unvorteilhafte Kleidung tragen, Alter zeigen, Ekel, Sexualität.
Mit der Kamera durch die Stadt laufen und unbeobachtet Menschen fotografieren hat natürlich etwas von einer voyeuristischen Perspektive. Plötzlich ging mir auf, wie scheußlich es doch ist, so im Geheimen Leute unvorteilhaft zu dokumentieren und das dann auch noch zu veröffentlichen. Ich glaube, es immer ein Ausdruck der eigenen Einstellung, wie man andere Menschen darstellt, was man auswählt. So ist es doch nur Ausdruck der eigenen Erschöpfung einer Reise, Enttäuschung über das nicht für's Auge Unnormale in einer fremden, aber doch so deutschen Stadt, die "Hässlichen" zu sehen. Also machte ich es mir zur Aufgabe, "die Schönen" zu suchen.
Durch die Leipziger Innenstadt, wo ich schöne Menschen sah, folgte ich ihnen. Irgendwie kamen oder gingen alle mir schön erscheinenden in eine bestimmte Richtung. Auch ich kam so durch einige Nebengassen an den einen Ort, den Ursprung der Schönheit? Verdammt, ich war tatsächlich an der Leipziger Uni gelandet.
Seltsam. Da verreise ich in eine andere Stadt, suche nach Ausgleich, Erholung, Kunst, Abstand zum Unialltag und lande an einer Uni. Paradox. Was kann das bloß bedeuten?
Kleine Diskussion unter Student_innen. Schönheit ist natürlich absolut subjektiv. Und nach was suche ich? Nicht nach dem hohen Ideal, künstlich geschaffen, keine Repräsentationen für Fruchtbarkeit oder hohen finanziell-sozioökonomischen Status. Irgendwie dann doch nur nach etwas, was mir ähnelt. Und deswegen lande ich an der Uni. Was mir ähnelt: Irgendwie Studentin mit irgendwie Haaren und viel Strickkram, dann noch so ein bestimmtes Alter.
Komisch, war Schönheit nicht irgendwann mal auch hauchdünn sexuell konnotiert? Und verorte ich mich nicht im Alltag als irgendwie heterosexuell Lebende? Ich wundere mich sehr darüber, dass die Menschen, die ich bei meiner Suche fotografierte, fast alle weiblich waren. Im Nachhinein denke ich, dass ich auch viele schöne Männer sah, diese aber schneller weg waren, vorbeigingen. Unerklärlich. Und außerdem: ich würde mir ja auch nicht anmaßen, zu behaupten, dass ich all den "Schönheiten" so ähnlich wäre, das sie nicht etwas für mich etwas unerreichbares, zu wünschendes darstellen.
Es ist schön, bei den Menschen auf der Straße nach Schönheit zu suchen. Vielleicht findet man dort etwas, was man nicht erwartet hätte. Schaun wir mal weiter.

D | DRESDEN | LEIPZIG | Fassaden

Die Fassade bröckelt. Scheinbar aufgestellte Theaterkulisse, will eindeutig bedeuten was es ist: Stadt. Und zwar Altstadt. Keine im wilden Westen, mit fliegenden Heuballen, Pferden, Lucky Luke und den Daltons: Nein, eine Stadt im Gegenteil sehr im Osten: Dresden.
Dort gibt es viele: Fassaden. Aufwendig groß, unzerstört oder wieder aufgebaut. Und dahinter trotzdem: das ganz normale Großstadtleben.
Oh, guck mal hoch!
Neben der repräsentativen schwarzen Altstadt, die ich hier noch nicht einmal abbilde: Häuser, große, die da sind, um darin zu wohnen. Ja genau, da gehören Menschen rein.
Aneinander angrenzend verbunden, Durch Straßen, Verkehr.
Durch alle Ecken hindurch scheint die Altstadt
Aber dann guckt plötzlich auch mal Dresden Neustadt um die Ecke...
Hier gibt es auch schöne Fassaden. Fassaden, die Geräusche machen, die wirken - durch Farben, die nicht grau sind und vielleicht noch ein bisschen Metall und Pflanzen, mehr eigentlich nicht.
Das war's. Dresden, Altstadt und Neustadt, zwischen denen man sich hin und her bewegt.

Mittwoch, 7. November 2012

das, was man auch immer auf den zetteln beim stiftekaufen macht

Information am Rande: Pia Schlechter, so heiße ich. Sonst gebe ich gerne meinen Vornamen preis, aber mit dem internet ist das ja so ne sache und deswegen muss der nachname ja nicht unbedingt sein. auch setze ich mich ja gerne mit mir selbst auseinander, aber das hier

PIA

ist jetzt keine große leistung. hat mich jetzt ca. 2 sekunden gekostet, drei tasten und die shift-taste zu drücken, wohl auch noch ein paar mal enter. trotzdem ist was passiert: diese "pia" wurde als irgendwie relevant hervorgehoben, durch großbuchstaben und auch den abstand zum wort. obwohl - "diese pia" muss ja keine person sein, es ist nur ein wort, das konzept könnte ja unbekannt sein. vielleicht ist es auch eine überschrift: also: es geht um gestaltung. gerne auch im zusammenspiel mit inhalt, aber diese typografie, sie macht was mit worten und ihren bedeutungen, auf der oberfläche, auf dem papier. Bedeutung unabhängig von der Wortbedeutung.
Und ui, das ganze nicht mit tastatur und maus, die buchstaben markieren kann und dann lustige schriftarten wie times new roman oder unbeliebterweise comic sans ms auswählt, genauso wie schriftgröße etc. nein, das alles mit hand. jeder buchstabe wird einzeln aus fächern gesucht, zusammengesteckt zu wörtern. das alles wird gebunden, mit farbe bestrichen und in der druckpresse auf papier, das auch noch irgendwelche spannenden eigenschaften hat, gedruckt.
das alles ist so undigital analog, und das ergebnis ist so nicht mehr nur zweidimensional sondern so haptisch, dass ein einfacher reproduktionsvorgang wie der scan eigentlich gar nicht reicht. die kamera müsste her, denn das papier mit der bedruckten schrift ist richtig ein ding, das man dann in der hand hält.
Ein Puzzle.
Denn Lücken zwischen Schrift müssen auch mit Bleistücken, "Blindmaterial", ausgefüllt werden, außerdem kann die funktion "blocksatz" nicht mit einem klick erledigt werden, sondern muss mit maßband und viel Blei kompensiert werden.
brutale angelegenheit, was da in der druckerpresse passiert. 
jedenfalls drücken sich die buchstaben so in das papier, dass durch drüberstrechen über die vertiefungen mit der eingefärbten walze so eine art negativ entsteht.

so, heute mal ganz informierend. Und wenn ich schon meinen Namen gesagt habe, dann auch noch mal den Namen des Seminars, durch das das hier alles entstand: "ist die schwarze kunst grau geworden?"

Montag, 29. Oktober 2012

D | JADERBERG | Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt

KNUTSCH
... Was hat man denn so zu tun, wenn man seine Zeit im Zoo verbringen muss?
weil irgendwo wird's dann doch langweilig und man wendet sich voneinander ab.
ein paar andere Sachen sind dann auch noch wichtig und müssen erledigt werden.
Trotzdem: Irgendwann muss man dann an ein Gedicht von Rilke denken (der Panther...). Die Sonne hilft dann auch nichts.
Am Samstag war im im Jaderpark, also dem jetzigen Freizeit- und Tierpark in Jaderberg (früher eher rein typischer Vertreter der Institution "Zoo"), heute sah ich in meinem Typografie-Handsatz-Buchdruck-Seminar das Beispiel einer Arbeit, welche sich grafisch mit dem Jaderpark auseinandersetzte: Kennzeichnend war hierbei, dass sich auf jeder Seite ein schwarzer, geschlossener Kasten befand, in dem durch Buchstaben gestaltete Tiere waren. Schwarze Striche auf Papier sind nett anzusehen (Genauso wie die Tiere im Zoo), aber was sie symbolisieren, ist zwar wie ein Bilderrahmen für uns als Zoobesucher und Betrachter, es ist und bleibt aber: ein Käfig.
Tatsächlich kam mir im Zoo doch auch mal ein Satz über die Lippen wie "das Tier sieht ja aus wie ein Plüschtier" oder "wie im Film" - man sieht das Original einer technischen Reproduktion und denkt, dass die Reproduktion das Original sei. Mensch, verdammt, immer diese Medien.
Tiere sind im Zoo in Bilderrahmen gesteckt und bleiben bzw. werden das: Bilder. sich bewegende. Und vor und nach der Betrachtung durch den Besucher haben sie (tatsächlich!) auch ein Leben. Und dieses hinter den Kulissen kann ganz schön langweilig sein, denn wie wir Philosophiestudierende wissen, können sie sich nicht mal eben mit einem guten Buch zurückziehen oder wie bei Stefan Zweig (Schachnovelle) in Isolationshaft einfach mal im Kopf ein paar Jahre mit sich selbst Schach spielen. Cool, was bleibt dann noch? Essen. Und was noch? Manchmal durch die Stäbe zu der anderen Seite des Käfigs schauen. Nicht, dass diese milchig verschwommen vorbeiziehenden Wesen dort von Bedeutung wären.
Manche Tiere machen sich aber auch eine nette Zeit: Ein bisschen Balzen, Flügel ausbreiten - schlicht: aufstylen und flirten. Und das die ganze Zeit. Sowas entsteht nunmal, wenn man keinen Raum für anderes hat.

Donnerstag, 18. Oktober 2012

D | DRESDEN | LEIPZIG | Welche Momente denn dann?

 meine Kamera hat die lustige Funktion "Videotagebuch". Ungeschnittene, automatische zufällige und auch inszenierte Dokumentationen meines kurzen Trips in die Städte.
Wann sagt man: okay, diesen Moment möchte ich jetzt festhalten? Bestimmt nicht dann, wenn man gerade total im Moment kontempliert. Ein Ergebnis aussagt, das total viel aussagt - oder auch eben gar nichts. Dokumentation von Dingen, die anwesend waren, Konstellationen, die zu kontextualisieren sind und durch Filmschnitt konstruiert zusammengefügt-zusammenhängend gemacht werden.

D | DRESDEN | Zeichen in der Neustadt

Teil meines Hostels in Dresden Neustadt.
Es geht jetzt um nette Dinge, die man beim Reisen - Spazierengehen - aufsammeln kann.
Und das ganze unter dem Motto Hipster: Denn das war ziemlich ein Motto des Stadtviertels, indem ich da war. Außerdem haben die Fotos einen Kamerainternen Bearbeitungsfilter "Spielzeugkamera" - digitales Retro-Design mit Vignette à la Instagram, dem touristischen Sights-aufsammeln Programm schlechthin.
Fand bezeichnende Zeichen in meiner Jacke.
oh, und Sonne fand ich aber auch
signifikante Botschaften
zwischen Stadt und Park
schönen Fassaden, ob architektonisch gewolltes oder ungewolltes Ornat
Orte und Verweise auf Orte
Markierungen von Orten
und andere Markierungen
Allgemeines und Besonderes
Projektionsräume.
und in flüchtiger Anwesenheit: die Menschen.

Freitag, 7. September 2012

KKK (Konstruktion: Kleid, Körper)

Hussein Chalayan, Martin Margiela, Issey Miyake. Drei Designer. Erstelle gerade ein paar Bildern zu ein paar Designern (oder auch ein paar mehr) für's Studium, hier mal ein bisschen, was bei rumkommt. Da ich gerade nicht theoretisieren will nur kurz: Es geht um Konstruktion - und natürlich Dekonstruktion, da wir designenden ja alle studiert haben - von Kleidern. Nähen? na ja okay, das ist auch eine technische Art von Konstruktion. Körper - dreidimensionale Gebilde - kann man aber auch durch anderes konstruieren, wie z.B. durch Falten bei Issey Miyake. Und Chalayan konstruiert einfach mal wie ein Techniker oder Architekt, er benutzt z.B. das gleiche Material wie von Flugzeugen für sein Aeroplane Dress. Neukonstruieren kann man auch durch altes, recycletes, schon konnotiertes und gebrauchtes Material wie Margiela es tut, der macht aus Socken Pullover und noch alleilei andere Späße, so wie ich gerade anscheinend aus Muffinförmchen ein Kleid zusammensteckte, aus Pinseln Armbänder mache oder die anderen Sachen wo ich immer sehe, dass Blicke von Fremden erst einmal drei Sekunden hängen bleiben. Aber: Konstruiert werden nicht nur Kleider von Menschen mit ihren Händen, jedenfalls nicht nur unmittelbar. Das Kleid selbst konstruiert auch: und zwar Körper. Sein es durch die Form, Silhouette, die wie beim altmodischen Korsett sogar einquetscht oder die einfach nur Rundungen betont oder kaschiert oder sei es durch die abstrakte, eckige Form, die irgendein Dreiecksgebilde dem Körper überlegt. Und den Menschen als Träger verortet es. Und jetzt kommt es, der Satz der kommen musste: Die Konstruktion von Geschlecht. und natürlich einigem anderen, dass uns auferlegt wird. Ob darunter eine "tabula rasa" (in etwa leere Tafel, wie ein leeres, unbeschriebenes Blatt) liegt - och, keine Ahnung. Ich kann es nähmlich gar nicht runterkonstruieren, es geht ja unter die Haut.