Sonntag, 20. April 2014

Frohe Ostern. Aus Stoff

Jedes Jahr verschenke ich Eulen. Und das wirklich schon solange ich denken kann. Meine Oma liebt Eulen, das wissen alle - so hat man immer gleich ein passendes Geschenk. Gut auch, dass gerade Eulen im Trend sind. Man kann sie überall kaufen. Deswegen - hier genähte und gezeigte Eulen haben damit nichts zu tun - nur mit Ostergeschenken, die ein bisschen eine Alternative zu den Süßigkeiten sein sollten. Aber natürlich trotzdem im Garten versteckt, auch für die Großen.
Aber es gab natürlich auch noch anderes.
Denn: mal kurz daran erinnern, dass es Ostern war.

Donnerstag, 17. April 2014

SCHOTTLAND | EDINBURGH | Das schöne Tote























Botanische Gärten sind Orte, an denen Hobbyfotografi_innen gerne fotografieren, ein Ort der Praxis. Die Kamera wird extra eingepackt: Da wird es sicher ein paar schöne Motive geben!
Auch ich wollte unbedingt die empfohlene Sehenswürdigkeit des Royal Botanic Garden in Edinburgh "mitnehmen". Die Kamera kam sowieso mit und ich freute mich auf ein paar hübsche Fotos, die ich gemacht haben würde. Blüten, bunte Farben, Makroaufnahmen, imposante Farben, kleine Tierchen, Schärfentiefe, keine Schärfentiefe, interessante Strukturen. Und Blumen sind ja sowieso schön, da werden's die Bilder natürlich auch.
Bei einem dieser Blumenbeete sah ich eine Hummel und so natürlich gleich ein Fotomotiv. Und sie war gar nicht so schüchtern, flog nicht gleich weg, wenn ich mich mit der Kamera näherte. Ich drückte ein paar mal ab, wusste, dass ich dann später das richtige Foto auswählen könnte. Beim Betrachten der Fotos erwischte ich mich, wie ich dachte "Mensch, du weißt doch, dass du bei sich so schnell bewegenden Dingen schneller als 1/160 belichten musst!" - Die Zeit war noch für die Blütenblätter eingestellt, die bewegen sich ja nicht so schnell. Und dann fiel mir auf, wie ritualisiert das alles schon ist. Alles schon mal aufgenommen, so ein scharfes Hummelbild wo man das "Plüsch" an den Beinen sieht. Das schlechte, falsche, verwackelte Foto gefiel mir dann plötzlich ganz gut.
alles schonmal fotografiert, die hübschen Dinge im botanischen Gärten, die Blumen und Hummeln und Blüten. So unterschiedlich ist die Auswahl der Pflanzen meist nicht. Und alle um einen rum, mir ihrer jeweils noch größeren Spiegelreflexkamera fotografierten das gleiche. Wie fotografiert man anders? Ich stand vorm Rhododendron und ärgerte mich, dass ein so bekanntes Gewächs nicht neu und fotografierenswert auf mich wirken kann. Da entdeckte ich vertrocknete Blüten - sowas hatte ich noch nicht wirklich länger betrachtet. Für mich, vielleicht nicht für jeden, etwas ungesehenes.
Knallendes Pink, den Hintergrund komponiert und den Himmel dazu eingesetzt, ein bisschen Makrokrams ohne viel Schärfentiefe. Alles mal gemacht, bewährt, aber diese Dinger, die die Zunge rausstrecken, hatte ich so auch noch nicht gesehen.
Und als ich am Wegesrand mal wieder im Gras lag, um ein bisschen totes Gras aufzunehmen, welches das Sonnenlicht so großartig herausarbeitete, viel ein nerviger Schatten auf mein Motiv. Leute standen hinter mir. Ich ärgerte mich: sehen die denn nicht, dass ich fotografiere? Normalerweise achten Leute darauf, Fotografierende nicht ins Bild zu laufen. ...Doch, sie sahen mich dabei: Sie standen verwirrt da und guckten auf die Grasfläche. Was kann sie da bloß fotografieren? Aus Angst, etwas schönes zu verpassen wahrscheinlich. Nach weiteren irritierten Blicken auch auf mich, ich muss sehr seltsam gewirkt haben, war ich glücklich: so habe ich "anders" fotografiert. Ein bisschen unordentliche Praxis für zwischendurch.
Totes, vertrocknetes, alles abseits der Blüte. Nicht, dass dies nicht schon ein beliebtes Fotomotiv wäre, der unbekanntförmige Pilz, der tote Ast. Treibgutästhetik, verfallene Ruinen im englischen Wald.

Samstag, 12. April 2014

SCHOTTLAND | EDINBURGH | Und die Umgebung der Pose

Wenn ich vorher ein paar Selfies zeigte, hier die besichtigte Umgebung. Naturlich stark ausgewählt, um effektvolle Landschaftspanoramen zu zeigen, aber deswegen sind wir ja hier.
Arthur's Seat, wirklich schön dort. Aber leicht anstrengend. Wenn mich schon das Treppensteigen in den dritten Stock in der Uni aus der Puste bringt, tun es 251m nach oben auch...
Aber irgendwann hat man sich nach oben gekämpft. Stachelige Überreste bleiben.
Aber natürlich ist es auch ein touristischer Ort. So einsam, melancholisch und leer wie inszeniert ist es nämlich nicht. Trotzdem.
auf ein nächstes Mal!

Freitag, 11. April 2014

SCHOTTLAND | EDINGBURGH | failure. about my body

es ist komisch, dass an diesen touristischen Orten, wo alle sich gegenseitig fotografieren, keine noch so seltsame Pose auffällt. Kein Verrenken, Springen oder einfaches Rumalbern. Es sei denn: Diese Fotoaction findet nicht zu zweit oder in der lustigen Gruppe statt, sondern alleine. Springen Personen einsam vor ihrer Kamera rum, auch wenn alle anderen das auch lustig tun, werden sie angeguckt. Wie strange ist das denn?
Ich jedenfalls wurde angeguckt.
ich war an einem schönen Ort. Super. Tolle Aussicht. Landschaft, Weite, das Meer, Himmel, Überblick über eine große Stadt. Alles fotografierenswert. Da stellt man sich davor und lässt sich fotografieren. Da wir hier aber nicht vorm Eiffelturm oder Edinburgh Castle stehen, gibt es etwas anderes aus der Posenrepertoirekiste, was man auskramen kann: Wie wir noch die romantischen Bilder von Caspar David Friedrich (Das Kunstgehirn aus Schulzeiten sagt auf: Rückenansicht) kennen, der Blick in die Ferne, von hinten, schön im goldenen Schnitt oder die Arme ausgebreitet. Entgrenzt, transzendierend, in Anschauung versunken, fliegend. Es war als hätt' der Himmel/die Erde still geküsst/das sie im Blütenschimmer/von ihm nun träumen müsst. Der Rest ist bekannt.
FAST. Fast gelingt es. Aber das Verfehlen ist absichtlich. Bei meinem heutigen Besuch des Arthur's Seat habe ich versucht, ein paar "unordentliche Praxen" aufzuführen. Das touristische Foto, seltsam für die Umgebung, peinlich für mich. Aber wirklich was neues?
Was ich wollte: versagen. Das machen, was man nicht macht. Ausgehend von dem, was man macht.
Und das bei dem Wetter, in socken draußen. Natürlich künstel ich total. Kontraste sind etwas überhöht nachträglich. Ist ja alles Inszenierung.
Nachbearbeitung, mehrere Aufnahmeversuche, Selbstauslöser, Ortswechsel. Ich will eine Antiinszenierung, aber natürlich klappt das nicht. Welcome!
Was ich tue, ist natürlich wie auf dem traditionellen Sightseeing Foto: sich als schön inszenieren. Und abseits des urbanen Spielfeldes: romantische Entgrenzung. Und ich mache es, eins zu eins. Also ich lande dort. Und meine Seele spannte/weit ihre Flügel aus/flog durch die stillen Lande/als flöge sie nach Haus.
Verlaufen. Aber Eichendorff und ich sind wieder Freunde.

Donnerstag, 10. April 2014

SCHOTTLAND | EDINBURGH | girls dormitory


Dass das Private politisch ist, weiß man nicht nur in der feministischen Theorie, auch allgemeiner in den Sozialwissenschaften. Nur zu häufig ist das Private auch öffentlich. Damit meine ich nicht ein bestimmtes soziales Netzwerk oder bestimmte Meldungen, Skandale, die da gerade so angezeigt werden.
Zu Hause, da ist man gewöhnlich unbeachtet, macht sich fertig für draußen, für die Öffentlichkeit oder ruht sich davon aus. Was ist zu Hause? Einfach in Innenräumen, wo man sich eben - ausruht, schläft und sich fertig macht, wo seine Sachen gelagert sind?
Dann ist ein Hostel zu Hause. Dort bin ich gerade mal wieder - Grüße aus Edinburgh - oder EdinBRA, wie es hier doch meist ausgesprochenwird, das bra wirklich ausgesprochen wie das englische Wort für BH.
und das gibt es hier tatsächlich, Unterwäsche. Im girl's domitory, im 12er-Mädchen-Schlafsaal können WIR uns ungestört, nicht so wie im mixed dorm mit Männern, breitmachen. 
Es ist so wie in Frauentoiletten, wo alle, auch die sich fremdesten, plötzlich alles voreinander machen: sich beim Schminken das Gesicht verziehen, sich offensichtlich und eitel im Spiegel bewundern oder trotz eigentlich aus dem Leben ausgeklammerter Pinkelgeräusche über das Liebesleben reden. Wenn Wände, die nur Sichtschutz sind, scheinbar alle Ohren außer der Gesprächspartnerin ausblenden, so wie Zeltwände bei Festivalnächten. 
Nur, weil eine Kategorisierung von Menschen stattfindet, das andere Geschlecht innerhalb dieser wichtigsten Zweiteilung ausgeschaltet wird, entsteht plötzlich ein privater Raum. So privat, dass ich selbst herumlaufen und alles mit Blitz fotografieren kann.
Ist Öffentlichkeit das Zusammentreffen der Geschlechter? Familie - die Anderen, Bekannte - Fremde, irgendwas? Weiblichkeit scheint eine so starke Gemeinschaft zu sein, dass wir alle gleich eine Freundschaftsübernachtungsparty schmeißen.
Und dann werde ich aufdringlich. Ich stöbere. Nicht mit den Händen, sondern mit der Kamera. Süß ist das! Was hat sie denn hier?
Tomatengesichtstücher? Für mich völlig unverständlicher Werbezusammenhang. Und dann wird wieder was klar: Was finde ich da interessant, befremdlich? Das Fremde natürlich. Besonders die öffentlichen Dinge asiatischer "Mitbewohnerinnen" haben es mir angetan. So werde ich zu Spionin, die äußerst gespannt Alltagsdinge entdeckt. Ist das privat?
Irgendwie typisch, was man sich so im Urlaub kauft. Süßigkeiten und reduziertes.
Jetzt fang ich schon an, in Mülleimern zu wühlen!
Unsere Betten sind übrigens immer mit so kleinen Schildchen gekennzeichnet. Ich bin Mr. Jelly.
MISTER? Das wär's mit der Weiblichkeit. Aber lustig ist es ja. Und ich beobachte heimlich beim Wäscheaufhängen. Was für ein Geheimnis!
Jealous? Jelly-ous? Ich bin auf jeden Fall Ms. Happy durch meine Ausguckerei. Da ich selbst plötzlich auch das panoptische Auge auf mir spürte, räumte ich alle meine Sachen schön unter meine Bettdecke. Unsichtbar? Privat? Nein - ich wusste nach meiner ersten Nacht noch nicht, dass jeden morgen die Betten gemacht werden. Alle meine Sachen lagen danach schön öffentlich neben dem Bett auf einem Haufen. Schön öffentlich. Aber gewisse kleinere Dinge lagen unter dem großen Schlafanzug, da hat wohl jemand für mich nach privatem kategorisiert und für mich nach Sichtbarkeit sortiert. Wie nett!

Samstag, 5. April 2014

#foodporn

Oh dieses Essen! Ich habe ein schönes Leben voller Genuss.
Ja, mein Alltag ist gerade ziemlich grau - das Wetter ist nur manchmal gut und mein Wohnviertel ist irgendwie auch... grau und trocken. Und nichts mit aufregenden Aktivitäten. Meine Körperhaltung: relativ statisch, bewegen tun sich nur Finger und Hände, Augen und der Kopf: Sitzen, schreiben, lesen. Der große Mythos der Ferien im Student_innenleben, die vorlesungsfreie Zeit, heißt die kontaktfreie Zeit des Hausarbeitenschreibens. 
Keine großen Anlässe zum Fotografieren und stolz zeigen: denn das macht man ja generell von den besonderen Momenten, der neuen Frisur, dem neuen Zimmer, dem neuen Ort an dem man sich befindet. Instagram bezeugt einem selbst, das man ein volles Leben hat.
Was tun, wenn man keine Zeit hat? Na ja nichts. Aber ganz ohne Pausen kann man ja auch nicht leben. Denn zwischendurch: Bett, Küche, Badezimmer. Schlafen, Essen, Stoffwechsel. Das strukturiert den Tag doch. Der einzige Grund vom Schreibtisch aufzustehen: die Blase oder der Magen. Schlafen ist eingeplant, das Koffein der Getränke auf dem Schreibtisch hilft, keine ungeplanten Einschübe zu machen. Wenn man zelebrieren will, dann bei der Grundbedürfnisbefriedigung. Schlafen ist immer Luxus, Badezimmer will man nicht inszenieren, denn ein Badezimmer-Selfie wird auch nur nach auftakelndem Styling gemacht, mich im Schlafanzug mit Strubbelfrisur will auch niemand sehen. Aber verschwinden will ich nicht, ich lebe, ich genieße, deswegen: keine Tiefkühlpizza, obwohl die auch Likes bei Instagram geben würde, der Antikalorienzählerexzess, hübsche besondere Speisen, angerichtet. Ich jedenfalls habe in den letzten zwei Monaten Schreibezeit bestimmt 20 Essenstellerbilder auf meinem Handy gesammelt. Den das Klicken auf den Auslöseknopf manifestiert den Genuss.
So ein bisschen bunt in den Alltag bringen, ja macht Spaß. Und der Genuss ist ja auch nicht zu verleugnen. Und die ganze Kochzeit, da kann man ein bisschen nachdenken. Diese Erdbeeren, die garnierenden Tomaten - Farbklekse, die den Eintopf auf dem Foto toll wirken lassen. Wenn ich bei schönem Wetter auf dem Balkon sitze und von dort aus lese, fällt mir immer auf, wie buntes gerne aus dem Alltag abheben soll: Kleidung wird ja gerne schwarz, grau, unauffällig gehalten. Das bunte Essen ist wie diese ganzen leuchtend neonfarben-kombinierenden Nike Free, Air Max 1 und was es sonst noch so gibt, die mich aus meinem Lesealltag aufschauen lassen, weil sich in der grauen Masse des Anblicks meines Viertels plötzlich etwas buntes bewegt. Los, zeigt euch! Foodporn auf Instagram, Sozialprestige für Zwischendurch.
Trotzdem - Pausenzeit - kann man auch anders füllen, denn allein muss man keine Essensparty feiern...

FRANKREICH | PARIS | Beim Fotografieren berühren sich manchmal die Wangen

Wenn ich gerade einen Essay über die Pose bei der Fotografie schreibe, genauer gesagt über Urlaubsportraits vorm Eiffelturm, dann mache ich das, um aus meinem entkörperlichten Diskurs der Medientheorie herauszukommen. Dort werden Körper nur dadurch definiert, dass sie abgebildet und in einen großen Haufen von zirkulierenden Bildern eingeordnet werden. Was, du siehst nicht aus, wie Marylin Monroe? Dann ist das kein schönes Bild. Abgleich mit Idealen, normativen Darstellungen, Nachahmen dieser Darstellungen. Körper sind hier nur von Bildern geprägte ...substanzlose Dinger, nach Butler ist sogar anatomisches Geschlecht, materielle Körper sind von immateriellen Bildern, die noch nicht einmal mit ihrem Ursprung übereinstimmen, geformt. Stimme ich auch zu, aber ich kann ja nicht immer im Bereich der Repräsentationen rumschweben. Körper sind den Bildern untergeordnet? Ich weiß, dass den meisten die Prägung durch Bildern dick aufstößt und doch sich jeder angeblich seines Körpers bedienen kann, ich handle doch weil ich es so will und mach da nichts nach, das soll nur für mich selbst schön sein. Na ja. Darüber muss ich jetzt nicht streiten. Ich versuche immer mehr, den Körper ohne den visuellen Diskurs lesen zu können (ja, lesen, als Anhäufung von Zeichen wie in einem Text mit Wörtern, auch wenn die Vorstellung von Zeichenhaftigkeit wieder so immateriell nebelig erscheint) aber ich komme immer mehr darauf zurück. Eben las ich etwas über stigmatisierte, diskreditierte Individuen. Das kann etwas sein wie einfach mal ein fehlendes Ohr, diese seltsame Hautfarbe oder igitt, dieses weibliche Geschlecht, ein Akzent, ein Markenlogo auf dem Shirt oder was auch immer. Goffman (Autor) schreibt, wie sich diese Personen gut fühlen können, innerlich, ohne Vergleich. Dann ist ja alles gut. Dann befindet man sich plötzlich in diesem sozialen Feld, in der urbanen Lifestyle-Großstadt, man sieht die topmodisch gekleideten Personen, sieht sich zusammengestaucht verpackt in Flohmarktkleidung. Beim Vorbeilaufen am Schaufenster, dieser tricky Fensterscheibenreflexion, erkennt man faktisch: ich sehe anders aus. Ist ja in dem Fall auch richtig. Was man fühlt, ist ein ich bin anders, und in der Gruppe aufgehen macht Spaß, ich will anders sein. Da ist dieses Spiegelbild, wer ist das? Auseinanderfall zwischen Ichbewusstsein und Ideal-Ich, Grüße von Jaques L. Verdammt. Aber es geht auch anders. Da steht ich da vorm Eiffelturm, ich konnte mir auch das gute Hotel mit Frühstücksbuffet und original französischen Croissants leisten und das Doppelzimmer mit den karierten Vorhängen bietet auch Blick auf das Wahrzeichen der Hauptstadt. Schatz und ich machen den Romantikurlaub, den wir uns durch unsere Jobs und doppeltes Einkommen gut leisten können, genauso wie das Fitnesstudio und die Frisörbesuche, weswegen wir auch jetzt richtig gut aussehen. Nicht, dass wir im Alltag viel Zeit hätten, dies aber jetzt und diese High-Life Situationen sind das, was unser Leben ausmacht, in dieser Ecke vom Treppenaufgang haben wir auch schon Fotos aus Ägypten und dieser speziellen Führung in das Dorf. Deswegen - das ist so praktisch am Iphone (was ja nun wirklich nicht nur ein Statussymbol ist), dass es diese Kamera vorne hat, da kann man sich beim Fotografieren gleich selbst betrachten und bei der Pose richtig hinrücken. Was sind wir nur für ein hübsches Paar, wir passen so gut zusammen und glücklich sind wir auch, auch wenn ich wirklich gleich nochmal ansprechen muss, dass ich lieber Wein trinken würde als in noch so einer Boutique zu warten. Wie schön! Und dahinten der Eiffelturm im Hintergrund, der muss auch ganz drauf, damit... na ja, macht man halt so. Wenn nur nicht immer diese blöden Touris hier wären, die versauen einem echt den Urlaub, als wenn die von Frankreich so viel verstehen würden, Architektur, sie gucken noch nicht einmal hin, auch wenn's natürlich größer ist, was sie aus ihren Sozialwohnungen. Laufen hier mit ihren abgetragenen Klamotten rum, und dann auch noch alleine... na ja, kann jeder soviel Glück haben. Nachher im Hotel haben wir wieder W-Lan, ich freu mich schon, was mein Arbeitskollege bei Facebook zu unserem Parisbild sagt, der war ja noch nie hier.
Neue Gadgets für den Selbstportraitspiegel, gefunden im größten Sightseeingcenter für europäische Hochkultur in Paris, dem Louvre.

Die Kamera, ein Spiegel, das ist sie. Da gibt es das alltags-Ich-Gefühl und dann diese angeschaute Projektion, dieses lachende Paar mit dem Eiffelturm, denen kann es ja nur gutgehen. Identifikation mit dem Ideal-Ich, herausreißen aus dem Seinsfluss. Klar, Selbstbestätigung, Positionierung, Überhöhung. Macht Spaß, wenn's funktioniert. Und dafür ist die Kamera - sie vermittelt Körperbewusstsein, gutes oder schlechtes, sie verursacht die eigene Objektivierung. Ich und die anderen - passt das? Dieses eigentümliche Stillhalten bei der Pose, Wiederholung des eingefrorenen zweidimensionalen Moments Foto, auch gespürte Lähmung durch das Kameraauge. Was soll ich tun? Okay, lächeln, das machen die anderen auch.
Okay, kein Lächeln, ich weiß auch nicht, warum ein Badezimmer in Paris pseudoerotische Gesichtsausdrücke bei mir veranlasst. Die Spiegelung des Spiegels links, nachträglich entdeckt.

Mittwoch, 2. April 2014

Gänsehaut. Ich und mein Zeigen, ein Wiederaufstehen.

So - hiermit verkaufe ich mich. Ab jetzt ist hier ein neuer Blog.
Nein, das stimmt natürlich nicht, ich hab nur ein paar wirklich uralte Schuhe bei Ebay hochgestellt und verkaufe sie jetzt endlich mal, denn ich trage sie nicht mehr, lange nicht, sie gehören zu einer Person mit einem anderen Geschmack, die sich anders präsentieren will, die anders auf Material achtet und einfach anders ist. So schlimm ist das ja nicht, aber - sieht man nicht so sehr diesen Unterschied zwischen der gewollten Inszenierung und dem Körper, der blassen Gänsehaut, die es einfach nie zu Germanys Next Topmodel schaffen wird?
Manche träume muss man einfach aufgeben. Vielleicht haben sie ja nun wirklich gar nicht zu einem selbst gepasst.
Aber das stimmt nicht immer, wenn man etwas aufgibt - vielleicht hat es ja sehr wohl gepasst, ein Traum, aber man verändert sich. Ich habe diesen Blog vor... Langer Zeit, vor 3, 4 Jahren angefangen und viel geschrieben, meist Dinge aus meinem Kunststudium, Fotos von Reisen und dann die ganzen Kameraexperimente. Und ästhetische Theorie, Soziologie und kritische Theorie durften natürlich auch nicht fehlen. Vieles ist gleich. Aber mein Alltag, mein Studium hat sich verändert. Nach der Fotografie kam das Nähen, das ist zwar auch blogbar, aber lässt sich durch weniger ästhetische Umschreibungen präsentieren. Ich quatsche den ganzen Tag, lese den ganzen Tag und schreibe den ganzen Tag, das Hauptmedium ist die Sprache geworden. Und das, obwohl ich hier so viele Bilder wollte. Nichts so blogbar. Gestern fragte mich jemand, ob ich noch so viel fotografieren würde - ich verneinte. Das ganze Schreiben über Fotografietheorie und Praktiken, das lässt einen doch das eigene Verhalten zu sehr reflektieren , es hemmt. Trotzdem führt mich das jetzt wieder hier her - ich poste, zeige viel und gerne. Instagram, what's app, klasse. Und ich führe Forschungstagebücher. So viel passiert, und durch diesen Blog will ich es an einem Ort sammeln, mir selbst meine Existenz durch einen Zeit- und Gedankenstrahl visualisieren und bestätigen. Es ist der Spiegel in den man blickt und sich abnickt, oder sich überprüft, wie diese ganzen sozialen Netzwerke, Jaques Lacan würde mir auf die Schulter klopfen. Wenn auch nicht für die Tätigkeit, sondern für die Reflexion. Denn das ist das, was ich immer noch am meisten Schätze. Das bin ich also von außen? Oh krass... Und dieser Blog als ...digitaler Sehnerv, vom Namen her. Anfangs sollte er etwas beschreiben, das... Irgendwie ausdrückt, dass zwischen der organisch-mechanischen Wahrnehmung durch das Rezeptionsorgan (ich steh' auf Visuelles, deswegen das Auge im Fokus) und dem, mit was das Gehirn dann so nachdenkt, den Bildern im Kopf, irgendwas passiert. Der Sehnerv ist da zwar wieder scheinbar biologisch, nur Mittler, aber steht für mich für das, was mich Wahrnehmung heute als aktiv sehen lässt, der inkorporierte Habitus strukturiert das ganze, wie es so schön auf Unisprech heißt. Und da sieht man - ich fotografiere anders heute, die Kameras werden schlechter und mobiler, ich spreche anders, alles wird abgehoben und diskursfundierter. Änderung oder Anknüpfen? Wo ist mein altes Ich? Hat man Eigenschaften aufgegeben oder darauf aufgebaut, weiterentwickelt? Da ich häufiger neue Blogs erstellte, die aber nie länger als 2, 3 Monate hielten und dieser als mehrjähriges, sprechfähiges Kleinkind nicht versinken darf - kein neuer Blog, kein neuer Schuss an der Sprintbahn, sondern das Aufraffen nach einer kleinen Pause mit Blick ins Grüne von der Parkbank. Der Park, die organisierte und durchstrukturierte Welt, vorgesehen ohne Ecken für neue Fotos und doch Raum für Reflexionen. Ich hab zu viele paar Schuhe, als dass ich wüsste, welches ich jetzt trage, manchmal bleibe ich auch zu Hause, aber mal sehen, was kommt. 
Was ich möchte, ist reiner Profilierungsschmarrn, ich habe etwa genäht , ich bin kreativ und leistungsfähig, ich zeige euch hier, ich mache außerhalb dieser Konsumgesellschaft selber, ich habe gekocht, ich habe Phantasie, ich habe gekauft, ich habe gesehen, ich bin dagewesen, ich bin. Ich bin? Bei dieser ganzen Habens-Aneignungssprache? Als Erich-Fromm-Fan bin ich natürlich angebiedert davon, was ist man, wenn man nicht mehr hat, was man hat? (Ups). Natürlich bin ich von außen durchstrukturiert und auch ich will mich den Normen entsprechend präsentieren und... Mich dann freuen, wenn auch alleine vorm Bildschirm. Aber trotzdem versuch' ich eins: wenn schon ein Spiegel, dann ein brutaler, der zeigt: du bist nicht das, was die Medien wollen, du schaffst es nicht. Und auch nicht, was der ganze Alternative Lebenstil fordert. Nicht, dass das so traurig wäre. Aber darauf muss man ja erstmal kommen. 
Deshalb: bestenfalls: nicht das Urlaubsfoto vorm Eiffelturm. Ja , ich bin dagewesen, hab das Programm durchgestanden und mir selbst zusammengesucht, aber viel interessanter ist doch, wie es zu dem Foto kam.