Samstag, 5. April 2014

FRANKREICH | PARIS | Beim Fotografieren berühren sich manchmal die Wangen

Wenn ich gerade einen Essay über die Pose bei der Fotografie schreibe, genauer gesagt über Urlaubsportraits vorm Eiffelturm, dann mache ich das, um aus meinem entkörperlichten Diskurs der Medientheorie herauszukommen. Dort werden Körper nur dadurch definiert, dass sie abgebildet und in einen großen Haufen von zirkulierenden Bildern eingeordnet werden. Was, du siehst nicht aus, wie Marylin Monroe? Dann ist das kein schönes Bild. Abgleich mit Idealen, normativen Darstellungen, Nachahmen dieser Darstellungen. Körper sind hier nur von Bildern geprägte ...substanzlose Dinger, nach Butler ist sogar anatomisches Geschlecht, materielle Körper sind von immateriellen Bildern, die noch nicht einmal mit ihrem Ursprung übereinstimmen, geformt. Stimme ich auch zu, aber ich kann ja nicht immer im Bereich der Repräsentationen rumschweben. Körper sind den Bildern untergeordnet? Ich weiß, dass den meisten die Prägung durch Bildern dick aufstößt und doch sich jeder angeblich seines Körpers bedienen kann, ich handle doch weil ich es so will und mach da nichts nach, das soll nur für mich selbst schön sein. Na ja. Darüber muss ich jetzt nicht streiten. Ich versuche immer mehr, den Körper ohne den visuellen Diskurs lesen zu können (ja, lesen, als Anhäufung von Zeichen wie in einem Text mit Wörtern, auch wenn die Vorstellung von Zeichenhaftigkeit wieder so immateriell nebelig erscheint) aber ich komme immer mehr darauf zurück. Eben las ich etwas über stigmatisierte, diskreditierte Individuen. Das kann etwas sein wie einfach mal ein fehlendes Ohr, diese seltsame Hautfarbe oder igitt, dieses weibliche Geschlecht, ein Akzent, ein Markenlogo auf dem Shirt oder was auch immer. Goffman (Autor) schreibt, wie sich diese Personen gut fühlen können, innerlich, ohne Vergleich. Dann ist ja alles gut. Dann befindet man sich plötzlich in diesem sozialen Feld, in der urbanen Lifestyle-Großstadt, man sieht die topmodisch gekleideten Personen, sieht sich zusammengestaucht verpackt in Flohmarktkleidung. Beim Vorbeilaufen am Schaufenster, dieser tricky Fensterscheibenreflexion, erkennt man faktisch: ich sehe anders aus. Ist ja in dem Fall auch richtig. Was man fühlt, ist ein ich bin anders, und in der Gruppe aufgehen macht Spaß, ich will anders sein. Da ist dieses Spiegelbild, wer ist das? Auseinanderfall zwischen Ichbewusstsein und Ideal-Ich, Grüße von Jaques L. Verdammt. Aber es geht auch anders. Da steht ich da vorm Eiffelturm, ich konnte mir auch das gute Hotel mit Frühstücksbuffet und original französischen Croissants leisten und das Doppelzimmer mit den karierten Vorhängen bietet auch Blick auf das Wahrzeichen der Hauptstadt. Schatz und ich machen den Romantikurlaub, den wir uns durch unsere Jobs und doppeltes Einkommen gut leisten können, genauso wie das Fitnesstudio und die Frisörbesuche, weswegen wir auch jetzt richtig gut aussehen. Nicht, dass wir im Alltag viel Zeit hätten, dies aber jetzt und diese High-Life Situationen sind das, was unser Leben ausmacht, in dieser Ecke vom Treppenaufgang haben wir auch schon Fotos aus Ägypten und dieser speziellen Führung in das Dorf. Deswegen - das ist so praktisch am Iphone (was ja nun wirklich nicht nur ein Statussymbol ist), dass es diese Kamera vorne hat, da kann man sich beim Fotografieren gleich selbst betrachten und bei der Pose richtig hinrücken. Was sind wir nur für ein hübsches Paar, wir passen so gut zusammen und glücklich sind wir auch, auch wenn ich wirklich gleich nochmal ansprechen muss, dass ich lieber Wein trinken würde als in noch so einer Boutique zu warten. Wie schön! Und dahinten der Eiffelturm im Hintergrund, der muss auch ganz drauf, damit... na ja, macht man halt so. Wenn nur nicht immer diese blöden Touris hier wären, die versauen einem echt den Urlaub, als wenn die von Frankreich so viel verstehen würden, Architektur, sie gucken noch nicht einmal hin, auch wenn's natürlich größer ist, was sie aus ihren Sozialwohnungen. Laufen hier mit ihren abgetragenen Klamotten rum, und dann auch noch alleine... na ja, kann jeder soviel Glück haben. Nachher im Hotel haben wir wieder W-Lan, ich freu mich schon, was mein Arbeitskollege bei Facebook zu unserem Parisbild sagt, der war ja noch nie hier.
Neue Gadgets für den Selbstportraitspiegel, gefunden im größten Sightseeingcenter für europäische Hochkultur in Paris, dem Louvre.

Die Kamera, ein Spiegel, das ist sie. Da gibt es das alltags-Ich-Gefühl und dann diese angeschaute Projektion, dieses lachende Paar mit dem Eiffelturm, denen kann es ja nur gutgehen. Identifikation mit dem Ideal-Ich, herausreißen aus dem Seinsfluss. Klar, Selbstbestätigung, Positionierung, Überhöhung. Macht Spaß, wenn's funktioniert. Und dafür ist die Kamera - sie vermittelt Körperbewusstsein, gutes oder schlechtes, sie verursacht die eigene Objektivierung. Ich und die anderen - passt das? Dieses eigentümliche Stillhalten bei der Pose, Wiederholung des eingefrorenen zweidimensionalen Moments Foto, auch gespürte Lähmung durch das Kameraauge. Was soll ich tun? Okay, lächeln, das machen die anderen auch.
Okay, kein Lächeln, ich weiß auch nicht, warum ein Badezimmer in Paris pseudoerotische Gesichtsausdrücke bei mir veranlasst. Die Spiegelung des Spiegels links, nachträglich entdeckt.

Mittwoch, 2. April 2014

Gänsehaut. Ich und mein Zeigen, ein Wiederaufstehen.

So - hiermit verkaufe ich mich. Ab jetzt ist hier ein neuer Blog.
Nein, das stimmt natürlich nicht, ich hab nur ein paar wirklich uralte Schuhe bei Ebay hochgestellt und verkaufe sie jetzt endlich mal, denn ich trage sie nicht mehr, lange nicht, sie gehören zu einer Person mit einem anderen Geschmack, die sich anders präsentieren will, die anders auf Material achtet und einfach anders ist. So schlimm ist das ja nicht, aber - sieht man nicht so sehr diesen Unterschied zwischen der gewollten Inszenierung und dem Körper, der blassen Gänsehaut, die es einfach nie zu Germanys Next Topmodel schaffen wird?
Manche träume muss man einfach aufgeben. Vielleicht haben sie ja nun wirklich gar nicht zu einem selbst gepasst.
Aber das stimmt nicht immer, wenn man etwas aufgibt - vielleicht hat es ja sehr wohl gepasst, ein Traum, aber man verändert sich. Ich habe diesen Blog vor... Langer Zeit, vor 3, 4 Jahren angefangen und viel geschrieben, meist Dinge aus meinem Kunststudium, Fotos von Reisen und dann die ganzen Kameraexperimente. Und ästhetische Theorie, Soziologie und kritische Theorie durften natürlich auch nicht fehlen. Vieles ist gleich. Aber mein Alltag, mein Studium hat sich verändert. Nach der Fotografie kam das Nähen, das ist zwar auch blogbar, aber lässt sich durch weniger ästhetische Umschreibungen präsentieren. Ich quatsche den ganzen Tag, lese den ganzen Tag und schreibe den ganzen Tag, das Hauptmedium ist die Sprache geworden. Und das, obwohl ich hier so viele Bilder wollte. Nichts so blogbar. Gestern fragte mich jemand, ob ich noch so viel fotografieren würde - ich verneinte. Das ganze Schreiben über Fotografietheorie und Praktiken, das lässt einen doch das eigene Verhalten zu sehr reflektieren , es hemmt. Trotzdem führt mich das jetzt wieder hier her - ich poste, zeige viel und gerne. Instagram, what's app, klasse. Und ich führe Forschungstagebücher. So viel passiert, und durch diesen Blog will ich es an einem Ort sammeln, mir selbst meine Existenz durch einen Zeit- und Gedankenstrahl visualisieren und bestätigen. Es ist der Spiegel in den man blickt und sich abnickt, oder sich überprüft, wie diese ganzen sozialen Netzwerke, Jaques Lacan würde mir auf die Schulter klopfen. Wenn auch nicht für die Tätigkeit, sondern für die Reflexion. Denn das ist das, was ich immer noch am meisten Schätze. Das bin ich also von außen? Oh krass... Und dieser Blog als ...digitaler Sehnerv, vom Namen her. Anfangs sollte er etwas beschreiben, das... Irgendwie ausdrückt, dass zwischen der organisch-mechanischen Wahrnehmung durch das Rezeptionsorgan (ich steh' auf Visuelles, deswegen das Auge im Fokus) und dem, mit was das Gehirn dann so nachdenkt, den Bildern im Kopf, irgendwas passiert. Der Sehnerv ist da zwar wieder scheinbar biologisch, nur Mittler, aber steht für mich für das, was mich Wahrnehmung heute als aktiv sehen lässt, der inkorporierte Habitus strukturiert das ganze, wie es so schön auf Unisprech heißt. Und da sieht man - ich fotografiere anders heute, die Kameras werden schlechter und mobiler, ich spreche anders, alles wird abgehoben und diskursfundierter. Änderung oder Anknüpfen? Wo ist mein altes Ich? Hat man Eigenschaften aufgegeben oder darauf aufgebaut, weiterentwickelt? Da ich häufiger neue Blogs erstellte, die aber nie länger als 2, 3 Monate hielten und dieser als mehrjähriges, sprechfähiges Kleinkind nicht versinken darf - kein neuer Blog, kein neuer Schuss an der Sprintbahn, sondern das Aufraffen nach einer kleinen Pause mit Blick ins Grüne von der Parkbank. Der Park, die organisierte und durchstrukturierte Welt, vorgesehen ohne Ecken für neue Fotos und doch Raum für Reflexionen. Ich hab zu viele paar Schuhe, als dass ich wüsste, welches ich jetzt trage, manchmal bleibe ich auch zu Hause, aber mal sehen, was kommt. 
Was ich möchte, ist reiner Profilierungsschmarrn, ich habe etwa genäht , ich bin kreativ und leistungsfähig, ich zeige euch hier, ich mache außerhalb dieser Konsumgesellschaft selber, ich habe gekocht, ich habe Phantasie, ich habe gekauft, ich habe gesehen, ich bin dagewesen, ich bin. Ich bin? Bei dieser ganzen Habens-Aneignungssprache? Als Erich-Fromm-Fan bin ich natürlich angebiedert davon, was ist man, wenn man nicht mehr hat, was man hat? (Ups). Natürlich bin ich von außen durchstrukturiert und auch ich will mich den Normen entsprechend präsentieren und... Mich dann freuen, wenn auch alleine vorm Bildschirm. Aber trotzdem versuch' ich eins: wenn schon ein Spiegel, dann ein brutaler, der zeigt: du bist nicht das, was die Medien wollen, du schaffst es nicht. Und auch nicht, was der ganze Alternative Lebenstil fordert. Nicht, dass das so traurig wäre. Aber darauf muss man ja erstmal kommen. 
Deshalb: bestenfalls: nicht das Urlaubsfoto vorm Eiffelturm. Ja , ich bin dagewesen, hab das Programm durchgestanden und mir selbst zusammengesucht, aber viel interessanter ist doch, wie es zu dem Foto kam.


Dienstag, 1. Oktober 2013

Körpereinsatz


An einem töften Towson-Tag durften wir Material Girls Cathryn, die Tanz- und Performance-Dozentin

der Musiker_innen, begleiten. Zuerst hieß es Major Ballet class - einfach nur wow! ;-)

Beeindruckende Schülerinnen, ein lebendiger und so positiver anteilnehmender Lehrstil und unübliche musikalische Begleitung - ein Percussionist hat die Stunde mit wohligen Klängen und abwechslungsreichen Rhythmen live begleitet und damit mehr als gut das sonst gebräuchliche Klavier ersetzt.
Cathryn begründete ihre Vorliebe für die Percussionbegleitung mit der erdigen ehrlichen Klangfarbe damit, dass der Rhythmus und Klang der Trommel die Schülerinnen ihrem Selbst im sich bewegenden Körper näher kommen. Die Schellen schaffen durch staccatoartige Betonungen nuancierte Bewegungsabläufe.


Die Schülerinnen dieser class sind fortgeschrittene Tänzerinnen und scheinen ein für mich unvorstellbares Körpergefühl zu haben: Beine heben mit geöffneter Hüfte um Verkrampfungen vorzubeugen, Bewegungsrichtung denken, Ausdruck reinlegen.. Sie wissen genau was sie tun. Für meine Augen waren das abenteuerlichste Verrenkungs-Bewegungen, ausgeführt mit konzentrierten und fokussierten Gesichtern, in hingebungsvoller Perfektion und scheinbarer Leichtigkeit..

Da haben wir auf unserer Zuschauertribüne gleich Lust bekommen uns selbst in solch elegante Bewegungen zu begeben..

Beidseitiger Applaus. Thanks for having you here. Thanks for having US..



Kaum war der Mitmachgedanke geboren wurde er in die Tat umgesetzt: wir durften aktiv an einer Modern Dance class teilnehmen. Hier fanden sich Studienanfängerinnen von Tanz und Performance, mit denen wir von einer Gastdozentin und dem Dozent Vince und wieder einem Percussionteam begrüßt wurden.

Die Dozentin, eine eher kleine schmale Frau gesetzteren Alters mit wuseligen Haaren und tänzerischen Bewegungen, eröffnet die Stunde, in dem sie die im großen Kreis Stehenden auffordert, nacheinander den Namen zu sagen. Das geschieht mit steigender Geschwindigkeit ringsum und sie fragt, wie sich das Gefühl verändert hat. Etwas verdutzt antworten einige Studierende, es sei eine angenehmere Atmosphäre entstanden, man kenne jetzt die Namen, habe schon einmal jede Stimme gehört, Blicke ausgetauscht.
In der zweiten Runde sollten eine beliebige Farbe oder ein Tier gesagt werden - es ging ringsum und wieder stellte sie die Frage nach dem Gefühl. Etwas Entscheidendes hatte sich verändert: die Studierenden waren aufgeregter als vorher, was drückte die gewählte Farbe oder das Tier, das man wählte über einen aus? Man wollte sich nicht wiederholen, Einzigartigkeit und Kreativität beweisen..
Die nächste Übung ließ die Dozentin zu meiner Freude nur für einen kurzen Moment laufen: nacheinander sollten die Studierenden eine Bewegung vormachen, die der ganze Kreis nachahmen sollte: meine Güte, war ich nervös und dann hat eine vor mir doch tatsächlich die Bewegung gemacht, die ich mir zurecht gelegt hatte..

Erneut wurde zur Reflexion aufgefordert: was können wir eigentlich? Aufmerksam beobachten und reagieren, folgen, nachahmen, das Gesehene auf unseren Körper übertragen, Eigenheit in die Bewegung hineinlegen, Ausdruck, Körperspannung..

Es folgten weitere ähnliche Übungen, die die Studierenden jedoch in den Raum verstreuten. Ich war beeindruckt von der Vielseitigkeit der aufkommenden Bewegungen, doch besonders von der geforderten Körperreflexion. Ich fühlte mich als deutsche Studentin der Materiellen Kultur wahnsinnig auffällig: zwar zugewandt, aber doch eher steif, nicht fähig auf ein Repertoire von tänzerischen Bewegungen zurück zu greifen.. ich dachte an mich in lesende Pose als Körperwissen aus dem Studium! Über den eigenen Schatten zu springen und einfach mitzumachen war für mich das schwierigste.

Ähnlich wie bei der Major Ballet class sind die Studierenden auch beim Modern Dance aufgefordert, sich und ihren Körper zu reflektieren und Bewegungen Ausdruck zu verleihen und als Ausdrucksmittel zu verstehen, Bewegungen aus sich heraus zu generieren.

Eine weitere Erfahrung wirklichen Körperwissens bot sich uns in der Gesangstunde von Katie, der wir beiwohnen durften. Gespannt saßen wir wieder als Zuschauerinnen am Rand und beobachteten die Szene: die Gesanglehrerin Terri am Klavier in ihrem mit Teppich ausgelegten Büro und Katie aufrecht und konzentriert hinter ihrem Notenpult schräg vor dem Klavier.
Bisher hatten wir Katies Stimme als tief und kräftig erfahren und waren umso beeindruckter, als sie zwar ebenso kraftvoll, doch um einige Oktaven höher zuerst ein französisches und dann ein deutsches Lied sang.

Atemtechnik perfektionieren, Töne und
Richtungen denken, Mund formen.. für uns kaum bis gar nicht hörbare Unterschiede wurden intensiv bearbeitet.
Nach einer halben Stunde kam eine Pianistin dazu, so dass Terri sich voll auf die Technik konzentrieren konnte.. wir staunten!

An diesem Tag habe ich den Körper als Arbeitsmaterial und Kapital ganz anders begreifen gelernt.


Neue Städte, alte Freunde

Shop till you drop - Konsumkultur in Teilen Ostamerikas

That's what people do on Sunday mornings..

Heute Morgen war ich mit Tate an seinem Arbeitsplatz: der Epiphany Episcopal Church! ..Pisco-was?

Im Grunde handelt es sich bei der Kirche um eine katholisch-anglikanische staatliche Kirche. Tate, ein Projektteilnehmer aus Towson, arbeitet in der Kirche als Vokalist und verdient wie er sagt jede Menge Asche. Überhaupt arbeiten viele der Amerikaner_innen in Kirchen und nehmen dafür sogar einstündige Anfahrten mit dem eigenen Wagen in Kauf, wie es bei Katie, der Gastgeberin von Inga und Pia, der Fall ist.
Wie dem auch sei, der Kirchgang war eine besondere Erfahrung für mich, obwohl oder vielleicht auch gerade weil ich mit und in der katholischen Kirche aufgewachsen bin.

Die Kirche ist ein Gebäude, das von eher einer Highschool gleicht als dem, was wir als Kirche identifizieren. Der Innenraum überzeugt mich dann aber doch: ein großer Raum mit hohen, holzverkleideten Decken, Licht durchflutet von der durch die bunten Glasscheiben scheinenden Sonne, in zwei Blocks Kirchenbänke hintereinander gestellt und nach vorn ausgerichtet, wo sich Priest Kristof zur Gemeinde gewandt später wiederfindet. Er hat alle eintretenden Gemeindemitglieder mit Handschlag und einem warmen Lächeln persönlich begrüßt, ist gut drauf.
Ich setze mich in die letzte Bank, lasse meinen Blick durch das noch leere Kirchenschiff schweifen und lausche dem Chor beim Einsingen vor der Orgel, die eine Frau mit grauer Krause mit ganzem Körpereinsatz bespielt.
Der Chor, bestehend aus etwa 10 Personen ist in schwarz-weiße Talare gekleidet und zieht mit den Messdiener_innen und den Geistlichen ein. Das "Programmheft" sagt: Enter in Silence. Es gibt ein Kreuz, Kerzen und lächelnde Gesichter - ich habe noch nie so betagte Messdiener_innen gesehen - da muss Hingabe hinterstecken. Die Sänger_innen verteilen sich zu beiden Seiten der Gemeinde und schmettern los: Praise, my soul, the King of heaven.. Ich denke: DANKE! Amerikanischer Überschwang und stimme schief, aber laut und voller Inbrunst mit ein! ;-)

Die Messe verläuft wie gewohnt: Gruß, Gloria, Lesungen, Predigt, Kommunion, Gebete..
Ich fühle mich sehr an damals erinnert und es ist doch wie ein Spiel, da ich alles einfach auf Englisch nachspreche. Ich gehe zur Kommunion und empfange kniend ein süßes Stück Brot, beinahe Kuchen, und Rotwein - genauso wie die vielleicht 5 und 7 Jährigen neben mir..
Es gibt Kommunionhelfer_innen, Kelch und Schale aus Gold.
Auf meinem Rückweg schaue ich mir die Gemeinde genauer an: Junge und Alte, Familien, ein Hund.. auffallend viele tragen violette Shirts. Bein näherem Hinsehen identifiziere ich sie als Footballshirts der Mannschaft Baltimore Ravens und mir fällt ein, dass diese heute ein Spiel haben.
Einige haben einen dieser typischen Auffüllbecher mit Strohhalm dabei und trinken während der Messe - ich trinke auch etwas aus meiner neuen Trinkflasche der Towson University: es fühlt sich irgendwie falsch an, was daran liegt, dass es in der Kirche meiner Kindheit absolut verboten war und daher gar nie in Betracht gezogen wurde.
Die Frau in der Reihe vor mir flüstert mir ein Kompliment für meine Jacke zu. Yeah, endlich! ;-)
Als es zum Friedensgruß kommt schüttle ich die Hände der mich umgebenden und richte meinen Blick wieder nach vorn, wo ich eine sich zerstreuende Gemeinde sehe - alle verlassen ihren Platz und bewegen sich durch den Raum, um noch mehr Leuten den Frieden zu wünschen. Es entsteht eine wabernde Unordnung mit anschwellender Geräuschkulisse.. Das geht so weit, bis der Pastor die Gemeinde mit erhobener Stimme auffordert wieder auf ihre Plätze zurück zu kehren, Kaffeeklatsch könne im Anschluss gehalten werden, die Gemeinde lacht.

Nach der Messe verteilen sich die Leute langsam, manche lauschen dem Orgelspiel, manche unterhalten sich. Im Vorraum ist nach meinem Begriff ein ganzes Büffet aufgebaut: Kekse und Kuchen, Limonade, kleine Sandwichecken.. Kaffee gibt es aber auch!

Dieses Bild zeigt zwar nicht das originale Buffet, jedoch wäre so eine Etagére nicht weiter auf dem tatsächlichen Tisch aufgefallen!












Eine etwas andere Sonntagvormittagserfahrung hat eine andere Projektteilnehmerin Sina gemacht. Sie und ihr Freund Thomas haben mit ihrem Host Brian und seiner Familie ein frühmorgendliches Grillen besucht - Vorbereitungen für das Ravensspiel. Um 6 Uhr in der Frühe treffen sich die Fans vor dem Stadion und grillen an. Sina hatte Eier und Speck vom Grill zum Frühstück, Thomas ein Hot Dog.. 
Manche der 'Griller' gehen noch nicht mal zum Spiel - das Event drumherum ist das Event, wie wir schon beim Football festgestellt haben.

An diesem Sonntag folgt vielversprechend die letze Aufführung des Acapellakonzerts und der Ausstellung. Finale in Towson!

Freitag, 27. September 2013

Fortsetzung aus New York

Am zweiten Tag in New York machten wir uns auf den Weg nach Coney Island. Dies ist ein alter Vergnuegungspark der im Sueden von Boston direkt am Wasser liegt. Die Fahrt dahin war dauerte etwas laenger, aber es hat sich sehr gelohnt!


 
Hier in Coney Island bemerkten wir, dass es auch ein ganz anderes New York geben kann. Hier fliesst eine Menge weniger Geld, als bei den leuchtenden Hochhausern in Manhattan. Der Freizeitpark hatte leider geschlossen, aber es war trotzdem sehr spannend die teilweise sehr alten oder stillgelegten Fahrgeschaefte zu sehen.


 
 
Am nachmittag blieben wir in Brooklyn und machten einen Spaziergang ueber die Brooklyn Bridge. Hier gab es eine sehr enge Spur fuer Fussgaenger_innen und Radfahrer_innen. Wir mussten sehr aufpassen, dass wir nicht von einem Fahrrad, was den Schwung des Herunterfahrens nutzte umgefahren wurden. Danach liefen wir noch durch Brooklyn bis es dunkel wurde.
 
Blick auf die Brooklyn Bridge von den Brooklyn Heights

 

Mittwoch, 25. September 2013

Von New York nach Boston

Seit wir aus Towson weggefahren sind haben wir wieder einiges erlebt. Direkt in New York angekommen ging es vom Kennen Lernen des Hostels direkt auf den Times Square. Hier war es laut, hell und leuchtend. Und es gab Ponys!!!
 
Am zweiten Tag durchquerten wir dann den Central Park, da unser Hostel direkt neben an war. Danach machten wir eine Tour durch Manhattan.
 
Hippos im Central Park
Park in der Mitte der NYU
 Nachmittags ging es dann nach SoHo, wo wir einen schrecklichen Puppie Laden entdeckten. Hier gab es das Sommer Special 300$ fuer jeden Puppie...
Dieser Puppie Laden lag direkt auf der Christopher Street.


 
Seit Samstag sind wir jetzt in Boston und ich habe ein bisschen mehr Ruhe etwas zu schreiben, deshalb werden Berichte der letzten Tage bald folgen! 

Sonntag, 22. September 2013

USA | NEW YORK | zweiter Tag in New York - Stadtgebiete


Meinen zweiten Tag in New York verbrachte ich damit, alleine die Stadt zu erkunden. Um mit dem Museum der Geschichte von New York zu starten, musste ich einmal durch den Central Park laufen (es gibt dort wirklich sehr voll und sehr leere Orte...) und lernte dann, dass New York erst New Amsterdam hieß, weil es von holländischen Händlern gegründet wurde.
Danach wanderte ich richtung downtown und fand mich plötzlich auf der Madison Avenue, dem Vorbild für die Straße der "Mad Men", meiner aktuellen Lieblingsserie. Hier sind ganz viele Werbefirmen angesiedelt. Von Geschäftsleuten bekam ich aber nicht so viel mit, ich war zu weit oben (und spazierte dann doch nicht die Straße entlang sondern nahm die Metro. Es ist unglaublich, wie durch das Blocksystem der Stadt Straßen sehr lang und dadurch verschieden werden.)
Danach ein Spaziergang durch Little Italy (das Essensangebot auf der Straße!) und durch Chinatown (wirklich wie eine fremde Stadt in der Stadt...) zu den Brücken im Südosten Manhattans.
Dort fand ich dann doch etwas andere Massenhochhäuser.
Ich lief über die Manhattan Bridge (nicht die berühmte Brooklin Bridge, eine daneben. Kein Tourismus, nur Verkehr). Ich als einzige Fußgängerin, viele Fahrradfahrer (!), unglaubliche Aussicht (wenn auch nicht auf die berühmte Skyline des südlichen Manhattans bzw. des financial districts, sondern auf Wohnblöcke und Brooklyn) - und neben mir immer wieder das Donnern der vorbeifahrenden Straßenbahnen... tollstes Erlebnis am Tag!
abends noch mehr durch die Stadt.