Sonntag, 26. September 2010

Arbeit, die Arbeit schafft

Möchte ich nur mal eben angemerkt haben, weil's ne lustige Idee ist:
Die Künstlerin Jana Linke präsentierte während der Nacht der Museen ihre Arbeit, die sie wegen eines Stipendiums des Edith Ruß Hauses das letzte Jahr über herstellen konnte: 
die EMDAS – Eine Maschine, die Arbeit schafft.
Also: erst bestand die Arbeit darin, die Maschine zu entwerfen und zu bauen - ca. ein halbes Jahr. Dann soll sie so funktionieren: Ein Arbeitnehmer muss sie erst zusammenbauen, dann auf die Erde setzten. Die Maschine gräbt sich ein - Der Arbeiter muss sie wieder herausholen und reinigen. Danach beginnt alles von vorn.
Sisyohosarbeit nennt man sowas: Wie der Sagenheld, dessen Arbeit darin bestand, einen Stein einen Berg hochzuschieben - der dann gleich wieder runterrollte.
Aber ein nettes Projekt. So schön sinnlos:) und Kunst. und bestimmt auch Gesellschaftskritik und all das.

Freitag, 24. September 2010

flamenco

Ich weiß noch zu gut, wie ich als Kind fasziniert war von den Flamencotänzerinnen, die ich bei einer Veranstaltung zufällig gesehen habe. Ich habe diese exotischen, schlangenähnlichen Handbewegungen nachgemacht und mit meinen Händen geklappert. Das die Hände klapperten, weil die Tänzerinnen Kastagnetten hatten, wusste ich damals noch nicht.
Gestern, während der langen Nacht der Wissenschaft, trat eine Flamencogruppe auf. Mal ganz was anderes, irgendwie kannte ich nur noch die ich-bin-sexy-Tanzformen von Videoclips und Discos. Nicht, dass der Tanz nicht erotisch wäre - aber durch Stärke, nicht durch sexy Anbiedern. Wegen des Scheinwerferlichtes oder wegen der Anstrengung des ständigen Aufstampfens - das Klappern der Schuhe gehört zur Musik - die Augenbrauen sind zusammengezogen, fast böse sehen sie aus.
Die Show gehörte aber eher zum Kinderprogramm als zu einer erotischen Erwachsenenunterhaltung. Auch wenn manche nur die Bühne an sich spannend fanden und darunter kletterten, lebten viele ihren Nachahm-Reflex aus. Sogar zwei kleine Jungs tanzten miteinander, die Mädchen achteten eher auf die Bewegungen.
Es ist natürlich besser, wenn 
Schwung hatte die Tänzerin.
FLAMENCO - Kinder beobachten gespannt.

Eisbären in Wechloy

Habt ihr mal in eurer Schule übernachtet?
Oder an eurem Arbeitsplatz gefeiert?
Sowas ist ja eine wirklich schöne Sache, an einem alltäglichen, nicht gerade Freizeitmäßigen Ort Dinge zu erleben. Und da ich auch mal in der Uni Wechloy Mathe studiert habe, und mich da vor nem Jahr auch regelmäßig aufhielt, war die "lange Nacht der Wissenschaft" dort (heute) nicht nur Information, sondern vor allem "ach genau, da hingen die Zettel, wo die Tutorien eingeteilt wurden und da hab ich mich mal verlaufen, als ich einen Zettel abgegeben hatte" und so weiter.
Mathevorlesungen können anstrengend sein, aber der große Vorlesungssaal ist eigentlich ein ziemlich toller Veranstaltungsraum: groß, lustige wackelnde Stühle (muss man gesehen haben, also studiert Naturwissenschaften in Oldenburg), große Leinwand für endlose Power-Point-Vorträge über abelsche Gruppen und tolle Axiome zum Lernen.
Oder als Kinoleinwand. Heute wurde dort der Dokumentarfilm "Unsere Erde" gezeigt. Ziemlich cool, so mitternachts im Mathe-Saal...
Aber, zum Film: Es geht um Tiere, süße Tiere, imposante Tiere, menschliche Tiere, hungrige Tiere, flüchtende Tiere, jagende Tiere, Baby-Tiere.
Natürlich aber vor allem die durch die Klimakatastrophe  vom Aussterben Bedrohten. Eisbären, Wale, Elefanten.
Süße Eisbären im Uni-Hörsaal.
Mit einem Eisbären beginnt der Film, und endet er. Eine wahnsinnig süße kleine Familie wird vorgestellt, der ganze Saal seufzte ständig, weil das Kindchenschema so schöne Muttergefühle in allen Betrachtern auslöste. Und dann: Die armen Eisbären sind schwach, wenn sie keine Beute, also Robben finden, dann müssen sie verhungern! Und jeder Zuschauer hofft, dass die Knuts so bald wie möglich Robben finden mögen. Dann, kurze Zeit später, die Elefanten. Wieder wird eine süße Herde vorgestellt, man empfindet Mitleid mit den tapsenden Babys. Dann treten Löwen auf. Oh nein, die Elefanten sollen sterben! Jeder Zuschauer hofft, dass die Elefanten überleben.
Natürlich heißt es nicht: Oh nein, die Löwen müssen verhungern, wenn sie keine Beute fangen! Die Geparden werden aber später als Jäger dargestellt, da ist man wieder auf deren Seite, das kommt aber daher, dass diese Großkatzen mehr vom Aussterben bedroht sind als die ohne Punkte.
Ich habe bei jedem Tier, das in diesem Film gestorben ist, getötet, gegessen worden ist, "mitgelitten", also will ich nicht behaupten, dass die Eisbären z.B. es nicht verdient hätten, zu überleben. Ich persönlich nehme keine Wertung vor. Das tun aber die Filmemacher: Die Beutetiere, die den aussterbenden Tieren als Futter dienen, werden in großen Herden dargestellt - also als ein "Überfluss". Zählt den das Leben eines Eisbären mehr als ein einzelnes einer großen Herde Robben? Ich bin mir da nicht so sicher, jedes Tier ist toll. Nur weil die Robben und Wahlrößer eher dick und unförmig als niedlich und mit Persönlichkeit dargestellt wurden. Letztendlich schafft es die Horde von mehreren Hundert, dass der Eisbär keines seiner Mitglieder reißt. Na ja, irgendwie muss das weitergehen mit dem Jäger-Beute-Verhältnis, trotzdem möchte ich nicht solche mitleids-Manipulation erleben. Trotzdem: Super imposanter, aufregender, trauriger, lustiger, Film, von dem man sich fast jedes Standbild der 24 Bilder pro Sekunde an die Wand hängen könnte. Es WAR gut, ihn an der des Hörsaals gesehen zu haben.

La-La-Lernen ohne Aufpasser

Ich schreibe manchmal Artikel für meine alte Schülerzeitung. 
Hier ist ein neuerer, mit Gummibärchenstudenten:) Bild weiter unten.


(Lalala)
Hallo!
(Lalala, Ding Dong)
Stellt euch mal was ganz tolles vor. (lalala, dingeldongel, lalala) Ihr seid, was ihr seid, Schüler, aber ihr seid, was ihr einerseits seid und andererseits auch nicht seid: (lalala) frei. (lalala)
Stellt euch vor, es ist viertel vor 10 (lalala!) und ihr müsstet erst in einer Viertelstunde beim Unterricht sein. (LALALA!) Aber was heißt hier ihr „müsst“: ihr müsst gar nichts (ding dong ding dong)! Es wäre gar nicht schlimm, wenn ihr nicht zum Unterricht kommt. Niemand fragt nach einer Entschuldigung, niemand gibt euch einen Strich für nichtgemachte Hausaufgaben (LA! LA!) und niemand droht damit, „mal mit euren Eltern darüber zu reden“. Ihr müsst nicht zum Unterricht, ihr müsst nur kurz vor den Ferien einen großen Test über das Thema bestehen. Ihr könnt euch selber einteilen, wann ihr lernt. Ihr werdet nicht bestraft und müsst euch nicht entschuldigen, wenn ihr jetzt lieber zu Hause bleiben wollt. Niemand wird nachfragen.
(LaLalllllkkkkrrrrrr…) Okay, Musik aus. Kennt ihr „autogenes Training“? Eine Entspannungsübung, wo man auf seine Atmung achtet und dann ganz toll die Wärme spürt und so. Habt ihr vielleicht mal im Sportunterricht gemacht. Oft soll man sich dann bei Meeresrauschen vom CD-Player vorstellen, dass man auf einer Insel liegt und durch die Gegend fliegt oder so. Das habe ich gerade versucht, mit euch zu machen (ich hoffe, ihr lagt auch auf einer Entspannungsmatte und habt die sanfte Harfenmusik (àlalala) gehört). Bloß solltet ihr euch eine traumhafte Situation vorstellen. NICHT ZUM UNTERRICHT GEHEN ZU MÜSSEN, OHNE STRAFE – ist das nicht wirklich ein Traum? Selbst entscheiden können. Frei sein.
Solche Zustände herrschen aber nicht nur in Ländern, in denen rosa Zuckerwatte aus Schornsteinen fliegt und alle Menschen ständig Ringelrein tanzen: So was gibt es in dieser Welt. In Deutschland. In eurer Stadt. Also Oldenburg. Hier!
Und ich bin eine von diesen Glücklichen, „Freien“ geworden. Und ich war auch mal auf der Cäci.
Leider muss ich sagen, die Rede ist nicht von Schülern. Sondern von Studenten. Wie ihr vielleicht wisst, gab es letztes Jahr, 2009, ganz große Studentenproteste, Demonstrationen, Streiks. Denn die Studenten haben sich nicht frei genug gefühlt. Sie streikten aber nicht dagegen, dass sie studieren müssen, denn das tun sie ja „frei-willig“. Sie streikten für bessere Bildung. Und trotzdem ist das Ergebnis des Streiks für das Sommersemester 2010, zumindest in der Uni Oldenburg bei den Fächern, die ich kenne, dass die „Anwesenheitspflicht“ abgeschafft wurde. Früher wurde den Studenten ein Seminar nur angerechnet, wenn sie höchstens zwei Mal gefehlt haben (aber auch da mussten sie sich nicht entschuldigen). Jetzt müssen sie dem Dozenten, also dem Uni-Lehrer, wohl bekannt sein, er muss „das Gesicht mal im Seminar gesehen haben“, sie bekommen die Noten aber auch angerechnet, wenn sie nicht immer anwesend waren. Der Traum eines jeden Schülers? Kann man ohne Zwang besser arbeiten? Außerdem wird im Seminar zwar immer diskutiert und man muss sich mit Texten und so weiter vorbereiten, die Mitarbeit ist für die Endnote aber egal – es gibt keine mündlichen Noten in der Uni.
Stellt man sich sehr gut vor. Wenn man gerade sehr müde ist, weil man auf einem Geburtstag war oder ähnliches, geht man nicht zum Unterricht, sonst geht man aber hin und ist auch ganz toll engagiert, weil man studiert ja freiwillig und für sich selbst.
Jetzt stell ich euch noch ein anderes, wahres Szenario vor, das ich tatsächlich ziemlich genau so erlebt habe.
Psychologieklausur. „Multiple Choice“, das heißt Ankreuzen von richtigen Antworten, 24 Fragen mit je fünf Antwortmöglichkeiten. Ihr habt gelernt, sogar das ganze Wochenende, einen ganzen „Reader“, eine Art Buch mit vielen zusammengestellten Texten zum Thema, habt ihr durchgearbeitet. Es gab auch eine Psychologie-Vorlesung zum Thema, also etwas, was man in der Schule etwa „Frontal-Unterricht“ nennt: der Lehrer steht vor der Klasse (in diesem Fall vor etwa 300 Studenten) und erzählt, erzählt, liest vor, zeigt etwas mit dem Overheadprojektor, erzählt. Über diese Vorlesung schreibt ihr aber nicht den Test. Nur über die Texte.
Nun gibt es ein Problem: normalerweise sind etwa 300 Leute bei der Vorlesung, der Saal hat auch Platz für genau so viele. Jetzt wollt ihr den Test schreiben. Das geht aber nicht, denn jetzt sind plötzlich über 500 Leute hier im Saal, die zeigen wollen, dass sie in Psychologie eine gute Note verdient haben. Es muss also ein anderer Raum her. In einem zweiten Vorlesungssaal bekommt ihr einen Platz und einen Test. Ihr dürft anfangen, der Dozent geht aber in den anderen Saal und verteilt dort die Tests zum ausfüllen. Ihr wollt den Test ausfüllen, es ist aber sehr laut, die anderen unterhalten sich über den Test, über das Wochenende, lachen laut über die Situation. Alle schreiben ab oder rufen laut Fragen in den Raum. Zwischendurch kommt der Dozent wieder in den Raum. Dann ist es still. Man hört nur noch das Schreiben der Stifte. Als der Dozent aber wieder in dem anderen Saal Aufsicht führen muss, wird es wieder laut. Am Ende der Stunde gebt ihr den Test ab.
Nach einer Woche bekommt ihr die Ergebnisse. Es gibt hauptsächlich Einsen und Zweien.
Und das Beste: In Oldenburg muss man den Psychologie-Test im Studium machen, wenn man auf Lehramt studiert. Wenn man Lehrer werden will. Und später benotet, wie gut jemand gelernt hat – und nicht, wie gut abgeschrieben.

Die Abschlussfrage in Jana Sterns Artikel „Kann man ohne Lehrer besser lernen?“ lautet: „Würdest du lernen, wenn es keiner überprüfen würde und ohne Bestrafungen oder Sanktionen von Lehrern?“ Weiter schrieb sie von einer Studie, in der Oberstufenschüler teilweise sogar bessere Erfolge hatten durch selbstorganisiertes Lernen ohne Lehrer, also Aufpasser.
Mir persönlich gefällt es natürlich viel besser, selbst organisieren zu können, wann ich lerne. Aber man muss es auch tun. Und wenn das nicht geschieht, nützt auch die Möglichkeit des Abschreibens nicht – wenn alle um einen herum genauso wenig wissen wie man selbst (es gab sogar Fünfen bei dem Psychologietest!). Es mag ein tolles Erlebnis sein, sich während eines Tests nicht nur über diesen zu unterhalten – und neben den Witzen nachher auch noch gute Noten zu machen. Aber wundert euch nicht, wenn eure Lehrer euch später ständig bestrafen, weil sie nämlich nicht gelernt haben, dass das auch schlechte Folgen für’s Lernen haben kann. Denn auch das war für ein Thema des Tests.

Donnerstag, 23. September 2010

ausprobierter pinselshop

PHOTOSHOP
ist super!
aber eigentlich hauptsächlich ein spielzeug. also, ich bin sozusagen ganz unfreizeitmäßig darangekommen, durch die uni, aber... die meisten "cracks" sind pc-suchtis, die blaßen, pickligen jungs, die nichts tun als am computer spielen... na ja, so schlimm nicht, meist sind's dann doch die besseren partien, die dann mit photoshop lernen, ihre freundinnen zu verschönern und ähnliches. trotzdem fällt auf, dass viele, die extrem gut bei ps sind, dies gar nicht unbedingt wegen ihres berufes machen... sie lernen nur, neben world of warcraft - leben, endlich mal was gutes. genauso ist viel gitarre spielen (und somit lernen) eigentlich genauso eine spielsucht wie tägliches counter-strike.
und so öffnet man ps auf der suche nach beschäftigung: nettes bild von den recently aufgenommenen fotos oder vom lieblingsstar und dann einfach funktionen ausprobieren.
ganz schlimm sind dann die anfänger, die erst mal fasziniert sind, dass man "malen kann". ich erinnere mich noch, wie in dem wohnzimmer meines vaters das "erste bearbeitete foto" hing - mit paint wurden seiner tochter hasenohren und schwarze zähne hinzugefügt, das gleiche, was man macht, wenn man langeweile, eine zeitung mit politikerbildern und einen schwarzen edding hat.
Also, ich finde, bei meinem "rumspielen" ist diesmal etwas herausgekommen, das nicht nur nach unglaublich minimalistischer paint-kunst aussieht, sondern auch noch nach dem schrulligen 80er-design, das auch noch auf diversen bus-sitzbezügen zu finden ist. pinselstriche.

oh, ich hab dich zum fressen gern


„Ja, liebe Lotte, ich will alles besorgen und bestellen; geben Sie mir nur mehr Aufträge, nur recht oft. Um eins bitte ich Sie:
Keinen Sand mehr auf die Zettelchen, die Sie mir schreiben. Heute führte ich es schnell nach der Lippe, und die Zähne knisterten mir.“
… Der gute verliebte Werther von Goethe (aus: die Leiden des jungen Werther. Johann Wolfgang von Goethe, 1774. Hier: S. 56) antwortet auf einen Brief der angebeteten Charlotte.
Wer erinnert sich nicht an das aufregende Zettelchen-Schreiben in der Schule? Oder das man einen Gegenstand, der einen an den Geliebten erinnert, den er berührt hat oder der ihm gehört, geküsst hat?
Es soll ja Poster gegeben haben, die an Stellen rund um das Gesicht ein kleines bisschen... zerfleddert waren. Hoffentlich hat man damals nicht die Druckerschwärze an den Lippen entdeckt. 
Wir lernen: nicht nur verschmierter Lippenstift weißt darauf hin, dass man jemanden gerade bei etwas gestört hat. Zum Glück wissen wir, dass bei Werther die Entschuldigung auch nicht Sandkuchen sein könnte. 
Und wir lernen, dass auch Goethe einfach mal ehrlich witzig sein kann.


La-La-Lernen ohne Aufpasser
(Lalala)
Hallo!
(Lalala, Ding Dong)
Stellt euch mal was ganz tolles vor. (lalala, dingeldongel, lalala) Ihr seid, was ihr seid, Schüler, aber ihr seid, was ihr einerseits seid und andererseits auch nicht seid: (lalala) frei. (lalala)
Stellt euch vor, es ist viertel vor 10 (lalala!) und ihr müsstet erst in einer Viertelstunde beim Unterricht sein. (LALALA!) Aber was heißt hier ihr „müsst“: ihr müsst gar nichts (ding dong ding dong)! Es wäre gar nicht schlimm, wenn ihr nicht zum Unterricht kommt. Niemand fragt nach einer Entschuldigung, niemand gibt euch einen Strich für nichtgemachte Hausaufgaben (LA! LA!) und niemand droht damit, „mal mit euren Eltern darüber zu reden“. Ihr müsst nicht zum Unterricht, ihr müsst nur kurz vor den Ferien einen großen Test über das Thema bestehen. Ihr könnt euch selber einteilen, wann ihr lernt. Ihr werdet nicht bestraft und müsst euch nicht entschuldigen, wenn ihr jetzt lieber zu Hause bleiben wollt. Niemand wird nachfragen.
(LaLalllllkkkkrrrrrr…) Okay, Musik aus. Kennt ihr „autogenes Training“? Eine Entspannungsübung, wo man auf seine Atmung achtet und dann ganz toll die Wärme spürt und so. Habt ihr vielleicht mal im Sportunterricht gemacht. Oft soll man sich dann bei Meeresrauschen vom CD-Player vorstellen, dass man auf einer Insel liegt und durch die Gegend fliegt oder so. Das habe ich gerade versucht, mit euch zu machen (ich hoffe, ihr lagt auch auf einer Entspannungsmatte und habt die sanfte Harfenmusik (àlalala) gehört). Bloß solltet ihr euch eine traumhafte Situation vorstellen. NICHT ZUM UNTERRICHT GEHEN ZU MÜSSEN, OHNE STRAFE – ist das nicht wirklich ein Traum? Selbst entscheiden können. Frei sein.
Solche Zustände herrschen aber nicht nur in Ländern, in denen rosa Zuckerwatte aus Schornsteinen fliegt und alle Menschen ständig Ringelrein tanzen: So was gibt es in dieser Welt. In Deutschland. In eurer Stadt. Also Oldenburg. Hier!
Und ich bin eine von diesen Glücklichen, „Freien“ geworden. Und ich war auch mal auf der Cäci.
Leider muss ich sagen, die Rede ist nicht von Schülern. Sondern von Studenten. Wie ihr vielleicht wisst, gab es letztes Jahr, 2009, ganz große Studentenproteste, Demonstrationen, Streiks. Denn die Studenten haben sich nicht frei genug gefühlt. Sie streikten aber nicht dagegen, dass sie studieren müssen, denn das tun sie ja „frei-willig“. Sie streikten für bessere Bildung. Und trotzdem ist das Ergebnis des Streiks für das Sommersemester 2010, zumindest in der Uni Oldenburg bei den Fächern, die ich kenne, dass die „Anwesenheitspflicht“ abgeschafft wurde. Früher wurde den Studenten ein Seminar nur angerechnet, wenn sie höchstens zwei Mal gefehlt haben (aber auch da mussten sie sich nicht entschuldigen). Jetzt müssen sie dem Dozenten, also dem Uni-Lehrer, wohl bekannt sein, er muss „das Gesicht mal im Seminar gesehen haben“, sie bekommen die Noten aber auch angerechnet, wenn sie nicht immer anwesend waren. Der Traum eines jeden Schülers? Kann man ohne Zwang besser arbeiten? Außerdem wird im Seminar zwar immer diskutiert und man muss sich mit Texten und so weiter vorbereiten, die Mitarbeit ist für die Endnote aber egal – es gibt keine mündlichen Noten in der Uni.
Stellt man sich sehr gut vor. Wenn man gerade sehr müde ist, weil man auf einem Geburtstag war oder ähnliches, geht man nicht zum Unterricht, sonst geht man aber hin und ist auch ganz toll engagiert, weil man studiert ja freiwillig und für sich selbst.
Jetzt stell ich euch noch ein anderes, wahres Szenario vor, das ich tatsächlich ziemlich genau so erlebt habe.
Psychologieklausur. „Multiple Choice“, das heißt Ankreuzen von richtigen Antworten, 24 Fragen mit je fünf Antwortmöglichkeiten. Ihr habt gelernt, sogar das ganze Wochenende, einen ganzen „Reader“, eine Art Buch mit vielen zusammengestellten Texten zum Thema, habt ihr durchgearbeitet. Es gab auch eine Psychologie-Vorlesung zum Thema, also etwas, was man in der Schule etwa „Frontal-Unterricht“ nennt: der Lehrer steht vor der Klasse (in diesem Fall vor etwa 300 Studenten) und erzählt, erzählt, liest vor, zeigt etwas mit dem Overheadprojektor, erzählt. Über diese Vorlesung schreibt ihr aber nicht den Test. Nur über die Texte.
Nun gibt es ein Problem: normalerweise sind etwa 300 Leute bei der Vorlesung, der Saal hat auch Platz für genau so viele. Jetzt wollt ihr den Test schreiben. Das geht aber nicht, denn jetzt sind plötzlich über 500 Leute hier im Saal, die zeigen wollen, dass sie in Psychologie eine gute Note verdient haben. Es muss also ein anderer Raum her. In einem zweiten Vorlesungssaal bekommt ihr einen Platz und einen Test. Ihr dürft anfangen, der Dozent geht aber in den anderen Saal und verteilt dort die Tests zum ausfüllen. Ihr wollt den Test ausfüllen, es ist aber sehr laut, die anderen unterhalten sich über den Test, über das Wochenende, lachen laut über die Situation. Alle schreiben ab oder rufen laut Fragen in den Raum. Zwischendurch kommt der Dozent wieder in den Raum. Dann ist es still. Man hört nur noch das Schreiben der Stifte. Als der Dozent aber wieder in dem anderen Saal Aufsicht führen muss, wird es wieder laut. Am Ende der Stunde gebt ihr den Test ab.
Nach einer Woche bekommt ihr die Ergebnisse. Es gibt hauptsächlich Einsen und Zweien.
Und das Beste: In Oldenburg muss man den Psychologie-Test im Studium machen, wenn man auf Lehramt studiert. Wenn man Lehrer werden will. Und später benotet, wie gut jemand gelernt hat – und nicht, wie gut abgeschrieben.

Die Abschlussfrage in Jana Sterns Artikel „Kann man ohne Lehrer besser lernen?“ lautet: „Würdest du lernen, wenn es keiner überprüfen würde und ohne Bestrafungen oder Sanktionen von Lehrern?“ Weiter schrieb sie von einer Studie, in der Oberstufenschüler teilweise sogar bessere Erfolge hatten durch selbstorganisiertes Lernen ohne Lehrer, also Aufpasser.
Mir persönlich gefällt es natürlich viel besser, selbst organisieren zu können, wann ich lerne. Aber man muss es auch tun. Und wenn das nicht geschieht, nützt auch die Möglichkeit des Abschreibens nicht – wenn alle um einen herum genauso wenig wissen wie man selbst (es gab sogar Fünfen bei dem Psychologietest!). Es mag ein tolles Erlebnis sein, sich während eines Tests nicht nur über diesen zu unterhalten – und neben den Witzen nachher auch noch gute Noten zu machen. Aber wundert euch nicht, wenn eure Lehrer euch später ständig bestrafen, weil sie nämlich nicht gelernt haben, dass das auch schlechte Folgen für’s Lernen haben kann. Denn auch das war für ein Thema des Tests.

die sonne blühte...

... weil SONNENblumen momentan die einzigen sonnen sind, die für uns da sind.
aber die echte sonne könnte man auch gar nicht pflücken, um sie in unsere zimmer zu stellen...
da die blumen-blumen dort aber auch schnell aufhören würden zu scheinen, lassen wir sie am besten draußen.
...diese fand ich im botanischen garten, als gerade auch die sonne-sonne blühte, ausnahmsweise.

nächtliche kartoffelernte

... was ist an dreckigen gartenhandschuhen so toll?
das was draufliegt!
man sieht sie kaum, aber da liegt eine kleine kartoffel in meiner hand.
ich bin für zwei tage mit paul in unseren kleingarten gezogen, nachts hatten wir hunger und haben kartoffeln ausgegraben. wir haben nämlich einiges an gemüse angepflanzt, der würzende schnittlauch war auch im nachbarbeet. Also holten wir schaufel und hake, und wühlten unter ipoddisplaybeleuchtung die erde durch.
was nicht geklappt hat, waren die bratkartoffeln, aber auch schon gekochte, selbstgeerntete kartoffeln sind superlecker! und als beilage gab's noch eine frische gurke. nur die pilze und das bier waren aus dem supermarkt.
also - nicht nur selbst kochen, auch selbst ernten vorher (auch wenn's nicht selbst angepflanzt war) lässt einen erkennen, wie viel arbeit und zeit hinter einer mahlzeit steckt - es schmeckt aber auch gleich viel besser (natürlich nur, wenn man's mal als ausnahme, an einem tag macht;) ). da wird einem doch mal bewusst, wie krass cool das mit der arbeitsteilung der gesellschaft ist... schon allein die schrauben meines laptops hier könnte ich im leben nicht allein herstellen.
na ja, da eine zwei-portionen-mahlzeit schon die ausbeute eines drittel-beetes war, werde ich wohl den rest des jahres weiter "normale" kartoffeln kaufen - oder natürlich gleich in einer weiterverarbeiteten form. trotzdem:
für mehr nacht-und-nebel-aktionen, die was ganz schön besonderes sind - dadurch, dass sie das normalste auf der welt sind (was wir aber sonst nicht wahrnehmen) :)